Klaus Theweleit

Warum Cortés wirklich siegte

Technologiegeschichte der eurasisch-amerikanischen Kolonialismen. Pocahontas 3
Cover: Warum Cortés wirklich siegte
Matthes und Seitz, Berlin 2020
ISBN 9783957578655
Gebunden, 616 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Die Menschheitsgeschichte der letzten 4 000 Jahre entpuppt sich bei genauem Hinsehen als Geschichte zweier Menschheiten: jene des eurasischen Bereichs (nach 1500 erweitert um Amerika), die den Rest der Welt unterwarf, und jene, die sich der Wucht dieser Landnahme zu beugen hatte. Die stets angeführten Gründe für diese Überlegenheit sind zahlreich; sie reichen von der besseren Waffenausstattung bis zur besseren Widerstandskraft gegen Krankheiten und greifen dennoch zu kurz. In Warum Cortés wirklich siegte geht Klaus Theweleit der Tiefengeschichte der globalen Herrschaft nach, deren Anfang in den Verfahren von Sequenzierung und Segmentierung liegt, welche in Eurasien zum ersten Mal vor 14 000 Jahren mit der Sesshaftwerdung des Menschen und dem Beginn der Haustierzüchtung erprobt wurden. Davon ausgehend nimmt eine ebenso revolutionäre wie martialische Entwicklung über die Geometrisierung und Mathematisierung der Welt bis hin zum heutigen Digitalzeitalter mit dazu passenden "Segment-Ichs" ihren Lauf.  Theweleit legt in seinem Buch den Quellcode unserer Zivilisation offen - und erlaubt einen Blick in die Abgründe unserer "Erfolgsgeschichte".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2020

Rezensent Oliver Jungen hält den letzten Band von Klaus Theweleits "Pocahontas"-Projekt für keinen würdigen Abschluss. Zwar bietet ihm der Autor wieder allerhand faszinierende kulturtheoretische Überlegungen, zum Schiffsbau der Griechen, zur Kartografie oder zur perspektivischen Malerei, alles im gewohnten Pop-Sound, meint er, doch der schöne Assoziationsreichtum im Buch steuert auf eine "gefräßige Generalthese" zu, warnt Jungen. Den Beweis, dass die technologische Überlegenheit der Europäer zur Eroberung fremder Reiche führte, führt der Autor laut Jungen zwar detailkenntnisreich, doch leistet er sich laut Rezensent dabei einen "knallharten evolutionsbiologischen Determinismus", indem er von "Gehirnsprüngen" fabuliert. Wenn Theweleit auch noch aztekische Architektur als Gigantismus abserviert und indianische Malerei als infantil, geht er für Jungens Empfinden zu weit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2020

Rezensent Thomas Wagner findet Klaus Theweleits Buch anregend und vergnüglich, so wenn der Autor die Unterschiede von Wahrnehmungsgewohnheiten anhand seiner Erfahrungen beim Pac-Man-Spiel zu illustrieren versucht. Theweleits Versuch, die Erfolge der Europäer bei der Unterjochung der Welt auf ihnen eigene besondere Denk- und Wahrnehmungsweisen zurückzuführen, findet Wagner allerdings nicht überzeugend. Theweleit bleibt dem Rezensenten nicht nur wichtige Belege für seine These schuldig, er missachtet seiner Meinung auch die für die Kolonisierung bedeutende Rolle der Virologie. Der Blickwinkel bleibt zudem ausschließlich der der Eroberer, kritisiert Wagner.

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