Ein kindliches Gemüt, gepaart mit tiefer Melancholie, ein etwas verschrobener Außenseiter, ein politisch unbequemer Geist: Caspar David Friedrich - geboren in Greifswald, bereits zu Lebzeiten umstritten, nach seinem Tod für ein halbes Jahrhundert vergessen, heute der bedeutendste Maler der deutschen Romantik. In seiner Biografie erzählt Boris von Brauchitsch, wie Caspar David Friedrich die Malerei revolutionierte, entschieden mit dem Kunstverständnis seiner Zeitgenossen brach und mit seinen rätselhaften Bildern zu einem prägenden Vorläufer der Moderne wurde. Dabei nimmt er die Wiederentdeckung und enthusiastische Rezeption des Malers in den Blick und macht anschaulich, warum die Faszination seines Werkes gerade heute - in Zeiten von Wachstumsskepsis und einer Rückbesinnung auf die Kräfte einer zusehends bedrohten Natur - eine besondere Wirkung entfaltet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.02.2024
Rezensent Thorsten Jantschek schätzt Boris von Brauchitschs Biografie zu Caspar David Friedrich gerade dafür, dass sie eine gewisse Distanz zu diesem im Jahr seines 250. Jubiläums noch stärker als ohnehin schon überrepräsentierten Maler einnimmt. Mit gesundem historischem Abstand und in klarem, chronologischem Vorgehen stelle von Brauchitsch den Künstler als "Menschen des 18. Jahrhunderts" da, für den die direkte Naturerfahrung zentral war, und informiere über sein protestantisches Aufwachsen, seinen Auf- und Abstieg oder sein "schwieriges" Verhältnis zu Goethe. Noch wertvoller findet der Kritiker aber die fachspezifische Betrachtung des Kunsthistorikers, wenn dieser etwa einzelne Gemälde detailliert analysiert oder Querverbindungen zur Philosophie Schopenhauers zieht. Auch, dass von Brauchitsch die zunehmende Kitsch-Tendenz bzw. Überdeutlichkeit im späteren Werk des Malers damit begründet, dass dieser im Zeichen des wieder abnehmenden Erfolgs wohl verzweifelt um Anerkennung rang, fügt sich für den Kritiker in den bewundernswert unverstellten Blick dieses Buchs auf den Maler ein, der der gegenwärtigen Euphorie einen angenehmen Gegenpol setzt.
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