Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2003
Bertolt Brechts erzählerisches Werk wird gegenüber seinen Dramen und seiner Lyrik seitens der wissenschaftlichen Brecht-Rezeption bislang nicht hinreichend gewürdigt. Umso größer ist die Freude von Rezensent Alexander Honold, dass der von Jan Knopf herausgegebene dritte Band des auf fünf Bände angelegten Brecht-Handbuches nun den "überraschenden Reichtum" an Prosaformen bei Brecht vor Augen führt. Dass Brecht trotz des erfolgreichen "Dreigroschenromans" von 1934 "mit seiner Prosa nicht präsent war", erklärt Honold mit publikationstechnischen Gründen. Insbesondere Brechts aus der Rollenprosa fiktiver Zeugenaussagen montierter Roman "Die Geschäfte des Herrn Julius Cäser", eine Rekonstruktion der Karriere des römischen Diktators mit "nüchternem Buchhalterblick", hat es Honold angetan. Neben Kurzgeschichten, Romanfragmenten, Dialogen, Anekdoten, Aphorismen und philosophisch-politischen Denkmodellen stellt der Band auch Brechts Entwürfe zu Filmen vor. Wie Honold hervorhebt, bedeutete das Medium Film für Brechts Arbeitsweise einen "stets mitzudenkenden Fluchtpunkt". Konsequent habe sich Brecht als "filmesehenden Erzähler" begriffen, der die "Technifizierung der literarischen Produktion" für unausweichlich hielt.
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