Zehn Fotos auf acht Tafeln. Die in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in die UdSSR gelangten Kommunisten mussten lernen, als stalinistische Parteikader zu denken und zu handeln. Tausende von Berichten in den Archiven geben Zeugnis über diese Prozesse der Ausbildung stalinistischer Subjekte. In ihnen spiegelt sich über die Selbstbeschreibung wie über die Fremdbeschreibung durch den Blick des Apparates die Innen- und Außenansicht der jeweiligen Person. Diese Berichte und Beschreibungen bilden die Grundlage eines kultur-, sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Zugangs zur Geschichte des Stalinismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2002
Wie erging es in den dreißiger Jahren westlichen Polit-Emigranten in der stalinistischen Gesellschaft? Passten sie sich den herrschenden Denk- und Verhaltensformen an oder widersetzten sie sich ihnen? Gunter Holzweissig begnügt sich in seiner Rezension mit einem Referat des Buchinhalts. Er zeichnet nach, wie Stalin in den dreißiger Jahren eine Kaderauslese anordnete, die auch Tausende west- und mitteleuropäische, in die Sowjetunion emigrierte Kommunisten betraf. Doch angesichts der wachsenden Ausländerfeindlichkeit, löste sich das Emigrantenmilieu nach und nach auf, und 1936/37 wurden auch die Kaderschulen geschlossen. Viele Studenten wurden daraufhin verhaftet oder "fielen dem 'Großen Terror' zum Opfer. Studer und Unfried beschreiben die "Desillusionierung, Isolation, Identitätsaufgabe und Verfolgungsängste der europäischen Emigranten", so Holzweissig. Viel mehr ist allerdings nicht zu erfahren. Zwar gibt der Rezensent über die Thesen und Erkenntnisse der Untersuchung, sowie über das Recherchematerial Auskunft, hält sich jedoch mit einer Einschätzung zurück. Der Urteilssuchende muss Hunger leiden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2002
Ulrich M. Schmid findet, dass mit dieser Studie über die Identitätsbildung stalinistischer Parteikader eine "wichtige Arbeit" vorliegt, auch wenn er nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis der Forschungsbemühungen des Autorenpaars ist. Ein Problem sieht der Rezensent darin, dass bei der Untersuchung der Identität der Parteikader nur auf Parteiakten zurückgegriffen wurde und somit nur die "staatliche Perspektive" in den Blick rückt. Schmid hätte es "aufschlussreich" gefunden, wenn man diese Akten mit privaten Aufzeichnungen wie Tagebüchern oder Briefen verglichen hätte, um herauszufinden, ob es so etwas wie eine "doppelte Identität", ein offizielles und ein geheimes, nur im Privaten gelebtes Selbstverständnis gegeben hat. Zudem bemängelt er in seiner Kritik eine Reihe von "sprachlichen Schnitzern", für die er Beispiele bringt. Dennoch, so Schmid abschließend, gebührt der Studie das "Verdienst", dass sie eine bisher wenig beachtete Frage der Stalinismus-Forschung aufgegriffen hat.
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