Xerxes, Großkönig von Persien, bietet das gewaltigste Heer aller Zeiten auf, um das kleine Griechenland endlich zu unterjochen. Nun hält er vor der Schlacht Heerschau. Er preist sich glücklich, denn seine Übermacht ist gewaltig doch plötzlich beginnt er zu weinen: "Mich überkommt das Mitleid, wenn ich denke, wie kurz das menschliche Leben ist. Von allen diesen Menschen wird nach hundert Jahren keiner mehr leben." Der ungeheure Reichtum der Dinge und Erinnerungen, die aus der geschichtlichen Entwicklung hervorgegangen sind, übertrifft alles, was Tiere je zuwege brächten. Aber dieser Reichtum ist in den Tod verschränkt. Für Burkhard Müller sind die Tränen des Xerxes eine Chiffre der Humanität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2006
Mehr als nur beeindruckt, nämlich nachgerade begeistert zeigt sich Rezensent Michael Maar von dieser Essaysammlung seines Kollegen Burkhard Müller. Zu den herausragenden Qualitäten des Autors zählt er dessen Mut auch angesichts größter Gegner - in bisherigen Essays zum Beispiel Darwin oder Gott. Dieser Mut, so Maar, verdankt sich Müllers bestimmender Eigenschaft, dem Eigensinn, der nie und nimmer Lust verspüre, sich irgendwelchen herrschenden Diskursen und Vorstellungen anzuschmiegen. Dies erweist sich in "Die Tränen des Xerxes" ein weiteres Mal. Es geht, vorgeführt an Autoren wie Canetti, Schnitzler und anderen, um den Tod und das Leben, das aber immer schon vom Tod und den Toten verschattet ist - und zwar buchstäblich. Am Hinreißendsten findet der Rezensent das Kapitel "Vom Schlimmsten" über die Folter. Noch da, wo er den "Zuspitzungen" Müllers nicht folgen will, scheinen sie ihm glänzend formuliert und "kühn" gedacht. Kurzum: "ein großer Autor".
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