Wir leben heute in einer umfassenden Krise der politisch-staatlichen, aber auch der kulturellen Ordnungsmuster der Organisation und Aufteilung sozialer Aufgaben, Beiträge und Belohnungen. Unübersehbar sind die Symptome eines Verfalls der Gesellschaft, einer Rückbildung erreichter zivilisatorischer Standards in sozialer, ökonomischer, politischer und kultureller Hinsicht. Überall nehmen Diskurse der Not und des Mangels überhand, installieren sich Regime des Ausnahmezustands im Recht, in der Regierung, in den Familien, in den Arbeitsbeziehungen, ja bereits in der öffentlichen Sprache.Hatte früher "die Gesellschaft" sich vor der Macht des intellektuellen Arguments, des Wahrheits- und Gerechtigkeits-, des Demokratie- und Emanzipationsanspruchs zu rechtfertigen, so scheint es heute eher umgekehrt: Anstatt das Bestehende als falsch zu kritisieren, versucht sich die intellektuelle Klasse vor der Gesellschaft zu rechtfertigen. Unter diesem Druck droht sich die Grundstimmung intellektueller Arbeit zu wandeln - und mit ihr die herrschende Sprache.
Jakob Hayner freut sich über den Versuch des Philosophen Michael Hirsch, Adornos berühmtem Satz von der Unmöglichkeit des richtigen Lebens im falschen zu widersprechen. Gelungen findet er Hirschs aphoristischen Ansatz, eine andere Gesellschaft zu denken und nicht, sie durch Nichtstun zu bestätigen. Wenn der Autor damit gegen den linken Defätismus angeht und gegen dessen speziellen Gebrauch von Adornos und Bourdieus Theorien, fühlt sich Hayner auf anregende Weise an die Hand genommen, um der Theorie endlich die Praxis folgen zu lassen.
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