Anis Mohamed Youssef Ferchichi, der den meisten Menschen unter seinem Rappernamen Bushido bekannt ist, beschreibt in diesem Buch anhand von persönlichen Beobachtungen und Erinnerungen das Leben von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, die noch immer als Ausländer wahrgenommen werden, obwohl sie zum Teil bereits in dritter Generation hier leben. Ferchichi berichtet aus seiner eigenen Jugend und beschäftigt sich mit der Frage, warum so viele Kinder aus der Unterschicht das Interesse an der Schule verlieren, warum die "Ausländer" immer nur in Gruppen anzutreffen sind, wie arabische Frauen ihre eigene Stellung innerhalb der Gesellschaft behaupten und was wirklich in den orientalischen Cafés passiert, jenen geheimnisvollen Orten, an denen anscheinend Selbstjustiz geübt wird und die als Sinnbild der Parallelkultur schlechthin gelten.
Thomas Groß ist überrascht: in "Auch wir sind Deutschland" zeigt sich derselbe Anis Mohamed Youssef Fachichi als konstruktiver Integrationsbeauftragter, der unter dem Namen Bushido eher für polemische Ausgrenzungsphrasen steht. Ganz anders in diesem Buch, wo der Autor aus seinen eigenen Erfahrungen als bildungsfernes Migrantenkind in Berlin fortschrittliche und vernünftige Anstöße zu geben weiß und auch die "rhetorische Nähe zu scheinbar Bushido-fernen Figuren" nicht scheut, wie der Rezensent berichtet. Doch so ganz glücklich wird Groß nicht mit diesem Buch, weil er angesichts von Fachichis opportunistischem Spiel mit Rollen "gewisse Vorbehalte in Sachen Glaubwürdigkeit und Haltung" hegt. Das dürfte Bushido hart treffen, sind doch "Vorbehalte in Sachen Glaubwürdigkeit und Haltung" der schwerste Vorwurf, den man einem Rapper machen kann.
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