Im deutsch besetzten Italien fielen zwischen 1943 und 1945 mehr als 70.000 Menschen dem Partisanenkrieg zum Opfer, darunter etwa 10.000 Zivilisten, die bei Massakern und Geiselerschießungen durch die Besatzer getötet wurden. Diese Ereignisse haben sich tief in das kollektive Gedächtnis Nachkriegsitaliens eingeprägt. Der Autor, der ein Jahrzehnt lang als Sachverständiger bei Kriegsverbrecherprozessen vor Gerichten tätig war, stellt in diesem Buch erstmals systematisch und auf breite Quellenbasis gestützt das Vorgehen der deutschen Besatzungstruppen dar. Sachlich und differenziert werden u. a. mehrere durch die Prozesse der letzten Jahren bekannt gewordene Kriegsverbrechen wie Sant'Anna di Stazzema, Civitella in Val di Chiana und Marzabotto sowie deren Täter untersucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2013
Rezensentin Christiane Liermann schätzt den Historiker Carlo Gentile als Kenner der Materie, der ihr bereits als Sachverständiger in etlichen Kriegsverbrecherprozessen mit seiner ausgewogenen Expertise aufgefallen ist. Im vorliegenden Buch fasst er die verschiedenen Verbrechen und Gewaltaktionen, die Wehrmacht und SS in Italien und besonders in der Toskana begingen, zu einem einzigen "Panorama des Schreckens" zusammen. Was die Rezensentin aber beeindruckt, ist, dass Gentile dabei sehr zurückhaltend in seiner Wertung bleibt und nicht von einem besonderen Hass auf die italienischen Verräter als Moti, sondern von einem generell radikalisierten Klima ausgeht. Gut findet sie auch dargestellt, wie unterschiedlich die Situationen je nach Frontverlauf ihre Dynamik und Eskalation entwickelten.
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