Nachdem Carlo Strenger in "Zivilisierte Verachtung" gezeigt hat, weshalb es westlichen Gesellschaften heute oft schwerfällt, ihre Werte selbstbewusst zu verteidigen, wendet er sich in seinem neuen Buch der individuellen Seite dieser Verunsicherung zu: Warum leiden so viele Menschen unter Depressionen und einer erdrückenden Angst vor dem Scheitern? Warum boomen Heilslehren, die uns den Weg zum wahren Selbst weisen wollen?
All das hat laut Strenger, damit zu tun, dass es sich bei der Idee, es gäbe so etwas wie ein Grundrecht auf müheloses Glück, um einen Mythos handelt. Ausgehend von Denkern wie Spinoza, Nietzsche und Freud legt er dar, dass lange die Überzeugung vorherrschte, Konflikte und Scheitern gehörten zur menschlichen Natur. Daher, so schließt er aus den Biografien von Künstlern wie James Joyce, Pablo Picasso und Francis Ford Coppola, müssen wir wieder lernen, dass Freiheit ein lebenslanges Abenteuer ist: riskant, aber zugleich viel interessanter, als uns die Massenkultur heute weismachen will.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2017
René Scheu begreift das Buch des Philosophen und Zeitdiagnostikers Carlo Strenger als Plädoyer für psychische Reife und Nüchternheit. Beschreibend und ermahnend erklärt ihm der Autor, wieso der Stress in der Wohlstandsgesellschaft in Friedenszeiten eher zu- als abnimmt, und setzt ihm die Psychologie des verwöhnten Kindes als Verständnismodell für solche Dynamiken auseinander. Vertraut mit modernen Krankheitsbildern, wie Scheu mitteilt, zeigt der Autor gesellschaftliche Defizite wie den Mangel an Streitkultur und das Wuchern von Selbsttäuschungen auf, um die Hürden auf dem Weg zur Freiheit sichtbar zu machen. Glück oder eine liberale Ordnung sind keine Geburtsrechte, weiß Scheu nach der erhellenden Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.02.2017
Gustav Seibt hält die Gedanken des Psychologen und Zeitkritikers Carlo Strenger für lesens- und diskutierenswert. Das innere Unbehagen der liberalen Gesellschaft kann ihm der Autor erklären, indem er den unbedingten Glauben an die Selbstentfaltung, geringe Enttäuschungsresistenz und die Auflösung traditioneller Strukturen wie Familie, Rollenmustern und Sitten ins Spiel bringt. Das Leben als ökonomische Prüfung, so erkennt Seibt, bringt neue Unfreiheiten, wie ihm Strenger auch anhand von literarischen Beispielen bei Foster Wallace und Houellebecq erläutert. Schön findet Seibt, wie der Autor in den existenziellen Proben der liberalen Gesellschaft das Negativ der modernen Künste erkennt. Ein "feuriges" Plädoyer für den liberalen Charakter, der um die Fragilität des Glücks weiß, meint Seibt.
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