Wir brauchen ein republikanisches Wir gegen das Gespenst (neo-)liberaler Ich-Philosophie. Die politische Linke sollte die materiellen Bedürfnisse der Menschen wieder ins Zentrum ihrer Politik rücken. Und sie muss die Menschen auch wieder an ihre Pflichten als Bürger erinnern. Sie schulden sich einander etwas, und das ist mehr, als sich an Gesetze zu halten. Verantwortung trägt jeder: für sich, den Anderen und das Gemeinwohl. Nils Heisterhagen analysiert: Der Sinn fürs Ganze ist, was heute fehlt. Und auf der Linken fehlt der Wille zur Macht. Denn nur mit Mehrheiten kann man Dinge verändern. Diese sind nur möglich durch den entschiedenen Willen zu einer republikanischen Politik, die möglichst alle in ein gemeinsames politisches Projekt einbinden und damit auch verbinden will. Deshalb braucht es endlich wieder eine sozialdemokratische Verantwortungslinke, die den Menschen Kennedys Satz zumutet: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was Du für dein Land tun kannst."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2020
Niklas Zimmermann liest das Buch des Philosophen und SPD-Mannes Nils Heisterhagen mit Gewinn. Die vom Autor laut Rezensent propagierte verantwortungsvolle "Reformlinke" als Antithese zur "Diskurslinken" sieht Zimmermann aber kritisch. So treffend der Autor das "urbane Biotop" mit seiner Selbstoptimierungsmaxime kritisiert, so sehr neigt er zu Kategorisierungen (Materialismus vs. Idealismus), die Zimmermann zu eng erscheinen. Analytisch überzeugt ihn Heisterhagen mit Bezügen zu Lilla und Fukuyama und Transparenz bei der Herleitung seiner Gedanken aus verschiedenen philosophischen Denkschulen. Die philosophischen Kapitel sind laut Zimmermann dennoch voraussetzungsreicher als jene, die auf politische Entwicklungen Bezug nehmen.
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