Die Revolutionäre von 1917 traten mit dem Ziel an, in der künftigen klassenlosen, gerechten Gesellschaft auch die Gleichstellung der Frauen zu verwirklichen. Zahlreiche Gesetze und Verordnungen wurden erlassen, begleitet von lebhaften Debatten über die Neuordnung des Alltagslebens und die Rolle der Frau im Sozialismus. Der Diskurs über die Emanzipation endete 1930 mit dem Erlass der Doktrin über die "Lösung der Frauenfrage ", gleichzeitig wurde die begleitende Organisation, die Frauenabteilung beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei, ersatzlos geschlossen. An die Stelle der emanzipierten "neuen "Frau trat das Bild der materiell gleichgestellten, in den Arbeitsprozess gleichberechtigt eingebundenen Frau, die zugleich ihren traditionellen Rollen als Mutter und Ehefrau gerecht zu werden hatte. Die vorliegende Arbeit untersucht exemplarisch das Alltagsleben von Moskauer Arbeiterinnen im Spannungsfeld zwischen offizieller Frauenpolitik, individuellen Lebensentwürfen und materiellen Bedingungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2003
Carmen Scheides Dissertation über die Gleichstellung der sowjetischen Frau in der Theorie und im wirklichen Leben am Beispiel Moskauer Arbeiterinnen hat Rezensent Felix Philipp Ingold sehr beeindruckt. Er findet die Untersuchung "äußerst faktenreich" und "hoch differenziert". Darüber hinaus lobt er das "souveräne kritische Urteil" der Autorin, die am Beispiel moskowitischer Arbeiterinnen aufzeige, wie groß die Kluft war zwischen den Ansprüchen der frauenrechtlicher Theorie und dem weiblichen Alltag. Zwar waren auch in der Sowjetunion die Frauen den Männern nur auf dem Papier gleichgestellt, aber Scheide mache deutlich, dass sich die Frauen deshalb keineswegs als "rückständig und desorganisiert" fühlten.
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