Dissertation. In Russland wird der Warschauer Pakt bis heute als das Spiegelbild der NATO angesehen. Aus westlicher Sicht waren beide zwar Militärbündnisse, aber in ihrer Ausrichtung, Strukturierung und Zielsetzung sehr verschieden. Die vorliegende Studie untersucht als erste Gesamtdarstellung nach 1991 die Entwicklung des Warschauer Paktes von seinen Anfängen bis zum Zerfall primär aus der Perspektive Moskaus und des sowjetischen Generalstabs. Sie analysiert dabei einerseits die politischen Entwicklungen, auch im Bereich der Innenpolitik (insbesondere der Zivil-Militär-Beziehungen in der UdSSR), andererseits die militärischen Strukturen sowie die militärstrategischen Kriegsfallplanungen der UdSSR. Dabei steht die Frage, warum und wie es zum Zerfall des "roten Bündnisses" kommen konnte, im Mittelpunkt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2005
Beeindruckt zeigt sich Karl Wilhelm Fricke von Frank Umbachs "Mammutwerk" über den Warschauer Pakt. Detailliert zeichne der Autor die Geschichte des Bündnisses nach und räume mit manchem westlichen Fehl- und Vorurteil auf. Fricke unterstreicht, dass Umbach weitaus mehr als "nur" eine Historiographie bietet. Er stelle das komplexe Beziehungsgeflecht von Partei und Militär in der Sowjetunion von Chruschtschow bis Gorbatschow ebenso dar wie die Differenzen zwischen der Moskauer Politbürokratie und dem Militärestablishment und die Auseinandersetzungen im Kreml über die Aufrüstung der sowjetischen Streitkräfte mit Raketen-Kernwaffen bei gleichzeitiger Marginalisierung der konventionellen Streitkräfte. Zudem problematisiere er die Dominanz des sowjetischen Generalstabs auf die Sicherheitspolitik und das Entscheidungsmonopol gegenüber dem Oberkommando der Organisation. Einige kritische Worte kann der Rezensent dem Autor nicht ersparen. So findet er dessen Stil "passagenweise nur schwer verdaulich". Auch bedauert er, dass die Zitate aus englischsprachigen Quellen nicht ins Deutsche übersetzt wurden, und den allzu häufigen Gebrauch von Abkürzungen empfindet er als störend bei der Lektüre. Ungeachtet dessen lobt er Umbachs "kluges Buch" als "das Beste, was es derzeit zur Geschichte der Warschauervertragsorganisation gibt".
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