Heyne Verlag, München 2026
ISBN
9783453275355 Gebunden, 464 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn. Natalie Heller Mills hat alles: eine malerisch renovierte Farm, fünf Kinder, die um ihre Liebe buhlen, und einen Mann, der in Cowboystiefeln immerhin eine gute Figur abgibt. Vom Sauerteig bis zur Kindererziehung, nichts scheint ihr zu misslingen. Kein Wunder also, dass Millionen von Menschen ihr folgen, ihre Videos schauen, ihre Bilder anklicken. Sie gibt ihnen das, was sie wollen: eine heile Welt. Skandale werden unter den Teppich gekehrt, da, wo sie hingehören. Doch eines Tages wacht Natalie auf und sieht sich mit einer unbequemen Frage konfrontiert: Was wäre, wenn sie keine Nannys beschäftigen könnte, es keine helfenden Hände auf der Farm gäbe, kein Produktionsteam? Was wäre, wenn sie auf einmal das Leben führen müsste, das sie immer vorgetäuscht hat?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.06.2026
Natalie, die Protagonistin von Caro Claire Burkes Roman, ist eine klassische "Tradwife", findet Rezensentin Anna Maria Mayr: Sie lebt auf einer Farm, erledigt den Haushalt, damit der Mann arbeiten kann, filmt sich bei der Erfüllung ihrer repetitiven Aufgaben. Die Ehe bröckelt, sie will ihren Mann und auch sich selbst in eine bestimmte Rolle pressen - da wacht sie plötzlich im Jahr 1805 wieder auf, was Mayr zufolge durch die Montage der Erzählstücke spannend und kraftvoll aufbereitet wird. Für die Kritikerin trifft Burke hier einige "Sweet Spots": Unterhaltung wird mit Gesellschaftskritik verbunden, Satire mit dystopischer Realität. Sie fühlt sich an den Instagram-Account von "ballerinafarm" erinnert, die das einfache Leben mit neun Kindern und mormonischem Ehemann mimt, daraus aber längst ein milliardenschweres Unternehmen geschaffen hat. Der Roman zeigt darüber hinaus, wie Kinder für Content ausgenutzt werden und wie über das vermeintliche Familienidyll übelste rechte Propaganda verbreitet wird.
Schon bevor dieser Roman von Caro Claire Burke erschienen ist, waren die Filmrechte verkauft, Rezensentin Marie-Luise Goldmann schaut sich den Hype mal näher an: Es geht um Tradwives, die Protagonistin ist Influencerin, die ich auf ihrer Farm ein rückwärtsgewandtes Leben eingerichtet hat. Doch plötzlich wacht sie im Jahr 1855 auf und muss tatsächlich ohne Elektronik und technische Fortschritte leben - Goldmann liest immer wieder Hinweise auf eine unzuverlässige Erzählperspektive, die beispielsweise auch die vielen Mitarbeiter der Social Media-Inszenierung auslässt. Ihr gefällt die Mischung zwischen Satire und Thriller, der starke Plot und die Bekräftigung dessen, wie wichtig Feminismus ist. Da kann sie auch über schwächere Figuren und eine etwas oberflächliche Sprache hinwegsehen.
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