Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
Roman

Ecco Verlag, Hamburg 2025
ISBN
9783753001067
Gebunden, 208 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Es brennt. In den Wäldern und auf den Screens. Die 15-jährige Era lebt mit ihrer Mutter am Waldrand und versucht dem schleichenden Prozess der Zerstörung etwas entgegenzusetzen, indem sie das Aussterben der Vögel dokumentiert. In einem Stream beobachtet sie ihre Mitschülerin Maja und deren Schwester Merle, die auf der benachbarten Lichtung Festplatten in die Luft jagen. Maja ist die Tochter zweier Momfluencerinnen, die versucht, die Erinnerungen an eine öffentliche Kindheit auszulöschen. Während Era Notizbücher führt, Zeichnungen anfertigt und all das Wissen, auf das sie Zugriff hat, zu ordnen versucht, bildet Maja eine zerstörerische Gegenkraft. Dennoch sind Era und Maja verbunden in ihrer Suche nach Intimität und analogen Reizen. Während die Turteltaube ausstirbt, verlieben die beiden sich ineinander. Aber nicht nur die Vögel sind bedroht: Als ein großflächiger Brand den Wald zerstört, verlieren auch die Mädchen einen bedeutenden Teil ihres Lebensraums.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.10.2025
Rezensentin Eva Behrendt ergötzt sich an Fiona Sironics Debütroman mit seiner nerdigen Sprache. Die in den heißen und artenarmen 2050er Jahren spielende Story um zwei Teenager, die sich mit Wucht von ihren Influencereltern lösen, ist für Behrendt halb Climate Fiction, halb Coming-of-Age-Roman, vergleichbar mit Herrndorfs "Tschick", wobei die Protagonisten aber nur auf der Datenautobahn unterwegs sind, wie die Rezensentin weiß. Sironics Dystopie hat laut Behrend zwar Sprünge und Leerstellen, Politik kommt z. B. kaum vor, entwickelt aber ihren Sog.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 11.10.2025
Rezensentin Cynthia Cornelius freut sich über das Debüt von Fiona Sironic. Der Roman erzählt die Geschichte zweier Schwestern im Bann digitaler Sichtbarkeit und weiblicher Wut und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Spannung entwickelt der dystopische Text laut Cornelius außerdem zwischen zarter Teenagerliebe und dem zerstörerischen Tun der Schwestern bei ihrem "Sprengaktionen" im Wald. Stilistisch flott bedient der Roman sich beim Vokabular der Jugendsprache, erklärt Cornelius, die sich erstaunt zeigt, dass Sironic ausschließlich mit weiblichen Figuren aufwartet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2025
Rezensentin Sara Maria Behbehani liest Fiona Sironics Buchpreis-nominierten Debütroman mit Gewinn: In einer nahen, dystopischen Zukunft schlagen sich die jugendlichen Protagonistinnen Era und Maja mit dem Klimawandel, mit Waldbränden, Artensterben und mit einer davon völlig überforderten Medienlandschaft herum. Wirklich etwas gegen den Untergang unternehmen können sie nicht, die öffentliche Debatte trägt ihr übriges zur desolaten Stimmung bei, erfahren wir. Dass Maja noch eine kleine Schwester hat, ist ungewöhnlich, eigentlich bekommt kaum noch jemand Kinder in dieser Welt. Aber ihre Mütter haben deren gesamte Kindheit als Influencerinnen zu Geld gemacht, Bild- und Videomaterial, das die beiden schnellstmöglich vernichten wollen, resümiert Behbehani. Sie liest eine rasante Geschichte mit Sogwirkung, die auch als Gegenwartsdiagnose lange nachhallt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.10.2025
"Von hoher Zeitgenossenschaft" ist Fiona Sironics Debütroman für die Rezensentin Judith von Sternburg: Die beiden Mädchen Maja und Merle sind als Kinder von Mommy Bloggern früh ins Internet gekommen, in dieser nahen Zukunft nun setzen sie alles daran, vergessen zu werden und jagen Gegenstände im Wald in die Luft. Dass die Welt nebenbei an der Klimakrise zerbricht, beobachtet und dokumentiert laut Sternburg die Ich-Erzählerin Era, die Maja und Merle aus ihren Streams kennt, mit ersterer geht sie eine Beziehung ein. Zum Teil wird die Handlung Thriller-artig, so die Kritikerin, aber das Ende knallt nicht so sehr und trotz aller Sympathie für die Figuren ist sie nicht zu hundert Prozent überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2025
Rezensent Philipp Schröder kann nicht viel anfangen mit diesem Roman von Fiona Sironic, die für das Buch ein Stipendium im Rahmen des "Deutschen Preises für Nature Writing" bekommen hat. Erzählt wird von Era, die das Aussterben von Vogelarten dokumentiert, überhaupt geht es immer wieder um die Umweltzerstörung und die Klimakrise, informiert uns der Kritiker. Aber auch Maja und Merle, Töchter von zwei Momfluencerinnen, spielen eine Rolle: Sie jagen irgendwelche Dinge im Wald in die Luft, wie der Titel verrät. Um viele Gefühle, besonders jenes der Liebe, geht es auch, aber einen "roten Faden" sucht der Rezensent dabei vergeblich. Und weshalb immer wieder Schrägstriche im Text auftauchen, erschließt sich ihm auch nicht.