Literarisch kunstvoll gestaltetet, umgreifen Charles Burneys Reisetagebücher ein breites inhaltliches Spektrum; besonders in den "German Travels" zeichnet er weit über die Musik hinaus ein farbiges Panorama der Zeit und des Reisealltags. Lebendig, polemisch und durchaus parteiisch führt er seine Leser in die Zentren des europäischen Musiklebens, bewertet und kritisiert, was er vorfindet, und berichtet über Begegnungen mit Gesprächspartnern wie Voltaire, Diderot, Farinelli, Padre Martini, Marpurg und Carl Ph. E. Bach. Heute sind seine Tagebücher eine wesentliche Quelle zum Musikleben um 1770. Eigentlich hatte Burney seine Reisen durch Europa allein mit dem Ziel unternommen, aus erster Hand Material für seine General History of Music zu erhalten. Seine Erlebnisse, Forschungen und Gespräche in Frankreich, Italien, Flandern, den Niederlanden, Deutschland und Österreich veröffentlichte er dann - wegen der enormen Popularität der Reiseliteratur zu jener Zeit - in separaten Bänden über den "Present State of Music". Kurz darauf erschien in Hamburg die deutsche Übersetzung, die in der neuen Ausgabe vollständig wiedergegeben wird.
Mit begeisterten Jubelklängen nimmt Volker Hagedorn diesen Reprint von Charles Burneys legendärem Musiktagebuch aus dem Jahr 1773 auf. Durch ganz Europa war der englische Musiker und Komponist Burney gereist, um das Musikleben seiner Zeit bis auf die Achtelnote genau festzuhalten. So erzählt Burney in seinem Tagebuch, wie ihm der "blatternarbige" Gluck die gerade erst im Kopf komponierte "Iphigenie" vorsingt, wie Bachs ältester Sohn mit Schaum vor dem Mund am Clavichord fantasiert oder wie sich Lady Hamilton in Neapel als Klaviergenie erweist. Dies alles fügt sich für Hagedorn zu einer wunderbaren "ersten musikalischen Großreportage der Geschichte".
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