Im heruntergekommenen Hotel "Palace" besucht ein ordinärer Kiezganove Nacht für Nacht eine alternde Prostituierte, um sich gegen Geld, neben anderem, eine Geschichte erzählen zu lassen. Denn das kann sie hervorragend. Die Geschichten dieser modernen Scheherazade kreisen alle um die Frage der Identität: Was macht ein Menschenleben aus? Und warum ist die Erfindung oft realer als die Wirklichkeit? Der Schweizer Autor Charles Lewinsky sorgt mit seiner Sammlung aus bösen Märchen, raffinierten Short Storys und modernen Parabeln ein weiteres Mal für glanzvolle Überraschungen in der Gegenwartsliteratur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008
Charles Lewinkys "Zehnundeine Nacht" ist eine verkürzte Variation der bekannten Scheherazade-Märchen aus "Tausendundeine Nacht", stellt Hans-Peter Kunisch fest, der sich alles in allem recht beeindruckt zeigt. Die Rolle des Königs nimmt beim Schweizer Autor ein dubioser Geschäftsmann ein, die der Scheherazade eine alternde Prostituierte, die ihrem Kunden Geschichten erzählt, erklärt der Rezensent. Lewinsky zeige sich hier als souveräner Beherrscher verschiedenster literarischer Formen und Muster, wechselt von Zitaten des traditionellen Einwandererepos gewandt zur Science-Fiction-Erzählung, lobt Kunisch. Am wenigsten haben ihn allerdings die beiden Protagonisten der Rahmenerzählung überzeugt, die ihm über weite Strecken des Buches zu "blass" und leblos gezeichnet sind.
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