Im Alter von 91 Jahren kommt der demente Witwer Johannes Kehr ins Pflegeheim. Nur: Seine Demenz ist vorgetäuscht. Im Heim hofft Kehr, seine Ruhe zu finden. Aber so einfach ist es nicht. Er beobachtet die schrulligen, nicht selten aggressiven Mitbewohner und die Nachlässigkeit der Pfleger. Seine vorgetäuschte Demenz nutzt er, um Desserts zu stehlen und Gehhilfen unliebsamer Nachbarn zu verstecken. Bald aber wird seine Schauspielerei anspruchsvoller; je vertrauter ihm das Heim wird, desto größer ist die Gefahr einer Enttarnung. Als zufällig seine Jugendliebe Annemarie auftaucht, flackert die alte Zuneigung erneut auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2016
Rezensentin Martina Läubli zeigt sich beeindruckt vom Mut mit dem Frédéric Zwicker das "Existentiell-Unspektakuläre" in Worte fasst. In seinem Debütroman schleust er einen zwar alten, aber ganz und gar nicht dementen Spion in eine Pflegeeinrichtung für Demenzkranke, lesen wir. Auf diese Weise sei der Protagonist Teil des eng gefassten Alltags im Heim und gleichzeitig reflektierender Beobachter der komischsten, verstörendsten, traurigsten und absurdesten Begebenheiten. Sein Blick auf die Heimbewohner ist der eines Ethnologen, kalt, distanziert und schmerzhaft ehrlich, so Läubli, der gleiche Blick mit dem er auf seine Vergangenheit zurückblicke. Und das ist für die Rezensentin auch die einzige Schwachstelle des Romans: Durch die distanzierte Haltung zu seinem eigenen Schicksal bleibt ihr der Protagonist seltsam fern.
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