Aus dem Englischen von Boris Greff und Matthias Marx. Es ist der Urkriminalroman, der allererste Kriminalroman der Literaturgeschichte: einzigartig in seiner Form und überraschend in seiner Modernität, den Leser mit der Lektüre der Ermittlungsdossiers an der Lösung des Rätsels zu beteiligen. In einer Zeit, in der sich das Genre des Krimis etwa bei Edgar Allan Poe gerade erfand, wagte sich 1862 ein anonymer Autor auf unbekanntes Terrain: erstmalig stand das Aufrollen der Vorgeschichte eines Mordes im Mittelpunkt eines Romans. Der Ermittler Mr. Henderson, beauftragt von der Life Insurance Association, soll herausfinden, ob Baron R , ein begabter Chemiker, seine Frau vergiftet hat sie starb an einem Becher Säure. Ihre fünffache Lebensversicherung erhärtet den Mordverdacht. Das zusammengestellte Akten-Mosaik besteht aus Krankenhausberichten, Zeugenaussagen, Heiratsurkunden, Tagebuchauszügen sowie Briefen und beleuchtet quer durch alle Schichten das viktorianische Zeitalter. Die nüchterne Aktenform steht im spannungsreichen Kontrast zum mysteriösen Geschehen: Kinder werden von Zigeunern gestohlen, ein letzter Wille verspricht Reichtum, der Verdächtige hat verdächtig grüne Augen, fragwürdige Heilmethoden bestimmen den Handlungsverlauf, statt einem Mord gab es gleich drei
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2014
Julika Griem fragt nach der Aktualität von Warren Adams' 1862 erschienener Geschichte und stellt fest, dass die Verwendung von Momenten aus der Schauerliteratur und dem Sensationsroman - Herkunftsrätsel, Schlafwandler, einander widersprechende Briefe, Tagebücher, Zeugenaussagen - noch immer für Spannung sorgen kann. Die aktuelle Übersetzung des Textes scheint Griem insofern gerechtfertigt. Mit detektivischem Vergnügen macht sich die Rezensentin auf Indiziensuche, fühlt sich zugleich aber immer an gattungsgeschichtliche Tradition erinnert, an Shelley und Stoker. Vor allem aber im Umstand, dass im Roman das Sensationelle, Geheimnisvolle und seine Entzauberung durch wissenschaftliche Kriminaltechnik aufeinandertreffen, hält Griem das Buch für sehr lesbar.
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