Aus dem Englischen von Uda Strätling. Mit 'Einer von uns' nimmt Chinua Achebe den Militärputsch vorweg, der Nigeria 1966, nur Tage nach der Veröffentlichung des Romans, in einen blutigen Bürgerkrieg stürzte. Der junge, idealistische Odili besucht seinen ehemaligen Lehrer Chief Nanga, der nun Kulturminister ist und sich - vordergründig ein Mann des Volkes - listig an seinem Land bereichert. Die moralische Kluft zwischen den beiden Männern erscheint zunächst riesig. Doch in der "Fressen-und-gefressen-werden"-Atmosphäre kollidiert Odilis Idealismus bald mit seinen persönlichen Begierden - und die private und politische Rivalität des Jungen und des Alten droht das ganze Land in Chaos zu stürzen. 'Einer von uns' ist Chinua Achebes vierter Roman und zählt zu den wichtigsten seines Werkes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2016
Rezensent Tobias Döring entdeckt in Chinua Achebes viertem Roman, fünfzig Jahre nach seinem Erscheinen im englisch-nigerianischen Original, ganz neue Gewichtungen. So scheint ihm die Erzählerfigur zwischen Dissidententum und Machtopportunismus heute interessanter als die ursprünglich im Fokus stehende Titelfigur des Ministers des von Achebe entworfenen fiktiven Staatsgebildes, in dem der Rezensent unschwer das Nigeria der frühen 60er erkennt. Korruption, Vorteilsnahme und politische Gewalt schildert der Autor anhand zweier ungleicher Rivalen in der postkolonialen Wirklichkeit, erklärt Dörung. Bemerkenswert findet er Achebes "scharfen, nahezu prophetischen Blick", der den Putsch im Land voraussah, sowie die "komplexe sprachliche Gestalt" des Textes mit nigerianischem Pidgin. Laut Döring hat die Übersetzerin diese Herausforderung angenommen und überzeugend gelöst, indem sie Orginal-Ausdrücke teils übernommen, teils paraphrasiert hat.
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