Chris Adrian

Die große Nacht

Roman
Cover: Die große Nacht
Rowohlt Verlag, 14,95 2012
ISBN 9783498000851
Kartoniert, 448 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Thomas Piltz. Ein Sommernachtstraum in San Francisco. Titania, die Elfenkönigin, ist außer sich vor Wut und Trauer: Ihr Kind ist tot und sie, inmitten ihres Hofstaats, ganz auf sich gestellt. Denn Oberon, ihr Mann, hat sie verlassen. Wie soll sie ohne ihn das Mittsommerfest, die größte Nacht des Jahres, feiern? Sie löst den tausend Jahre alten Zauber, der den Dämon Puck in Bann gehalten hat, aus schierem Überdruss an ihrem Leiden. Die Folgen sind dramatisch, in dieser wie in jener Welt. Molly, Will und Henry drei Menschen, ohnehin im Kampf mit sich und mit der Liebe stehen unvermittelt zwischen den Fronten. Ein Trugbild, scheint es, jagt das nächste. Doch weder Sterbliche noch Elfen haben Zeit, sich lang zu wundern. Denn Titania ruft zum Gefecht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.09.2012

Angetan ist Marten Hahn von Chris Adrians Adaption von Shakespeares "Sommernachtstraum", den der Autor in das San Francisco der Gegenwart verlegt. Klingt die Geschichte - drei junge, recht neurotische Großstädter geraten im Buena Vista Park der Stadt in das Treiben von Elfenkönig Oberon und seiner Königin Titania, die im Schmerz über den Verlust eines ihrer Lieblingskinder eine Schlacht entfacht - für den Rezensenten zunächst wie die "wirre Fantasie" eines Autors auf Shakespeares Spuren, so entpuppt sie sich bald als ein "fantastisches Abenteuer". Adrian gelingt in seinen Augen eine wilde, literarisch immer wieder surreale Mischung voller Komik, Tragik, Liebe und Verlust, in der auch Humor und derbe Erotik - es gibt "Blowjob-Elfen" und jede Menge Orgien - nicht zu kurz kommen. Für Hahn jedenfalls ein großes Lesevergnügen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2012

Schon häufig ist Shakespeares "Sommernachtstraum" um dunkle Abgründe und Alpträume angereichert in die Gegenwart fortgeschrieben worden - allerdings selten so drastisch und originell wie in Chris Adrians neuem Roman "Die große Nacht", meint Rezensent Martin Halter. Der Kritiker begleitet hier drei depressive, neurotische und von Liebestragödien geplagte Menschen auf ihren Irrwegen durch ihren nächtlichen Alptraum in einer "Boutiquenwildnis" des Buena-Vista-Parks von San Francisco. Dort treffen sie nicht nur auf eine vor Wut und Trauer tobende Titania - hier in Gestalt einer Friseuse im Trainingsanzug - und eine Bande von Obdachlosen, die ein Musical einüben, sondern auch auf "pornografische Giftzwerge", Flower-Power-Elfen, Occupy-Aktivisten und Kobolde, die ihren verdrängten Trieben in den Darkrooms der Castro Street freien Lauf lassen. Auch wenn dem Rezensenten dieses "Gewebe aus Drogenhalluzinationen und Happenings" bisweilen ein wenig kitschig erscheint, hat ihn diese wunderbare, tragikomische Verbindung aus "karnevalesker Mythentravestie und Shakespeare-Nacherzählung" nicht zuletzt dank der hervorragenden Übersetzung von Thomas Piltz in den Bann gezogen.
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