Botschaftsneubauten sind prestigeträchtig und identitätsstiftend zugleich. Ihre primäre Aufgabe, einen Staat im Ausland zu vertreten und sein gesellschaftliches Selbstverständnis widerzuspiegeln, macht sie zu politischen Symbolen. In den vergangenen 150 Jahren suchte Deutschland in seinen auswärtigen Staatsbauten stets einen individuellen architektonischen Ausdruck. Insbesondere die während der vierzigjährigen deutschen Teilung von der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland errichteten Neubauten für diplomatische Vertretungen dokumentieren die enge Verknüpfung von politischen, kulturellen und personellen Entscheidungen sowie deren Rahmenbedingungen. Die Bauwerke eröffnen aus ihrer exterritorialen Position heraus einen erweiterten Blick auf die Geschichte und das Selbstverständnis. Sie prägen den auswärtigen Repräsentationsbau bis heute.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2021
Botschaftsbauten sind symbolische Architektur. Rezensent Ulf Meyer lobt darum das Anliegen dieses Bandes, die Botschaften der frühen Bundesrepublik und der DDR unter die Lupe zu nehmen. Die Anfänge waren äußerst bescheiden, erläutert Meyer. Dann folgten einige bahnbrechende Bauten von Hans Scharoun in Brasilia und Egon Eiermann in Washington. Heinz Graffunder versuchte aus DDR-Perspektive dagegen zu halten, etwa mit seinem Bau in Budapest. Insgesamt ist die Geschichte der Botschaftsbauten nach 1945 nicht unbedingt ruhmreich, so Meyer, auch weil die Bundesbaudirektion unter einem ehemaligen Nazi-Architekten gerne eigene Entwürfe verwirklichte. Der Band hätte sprachlich ein wenig lektoriert werden können, meint der Rezensent. Durch die kleinen Schwarzweißfotos wirke er überdies wie ein Buch aus der Zeit, über die es berichtet.
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