Anhand von Spaziergängen in der Wetterau und im Wendland, in Südtirol und im Odenwald beschreiben Andreas Maier und Christine Büchner ihre "education naturelle"; eine farbige, sehr persönliche Mischung aus Erinnerung, Recherche und Reflexion wird zur Annäherung an das altmodische Fach Naturkunde - und zur Aufforderung an den Leser, sich auf die Natur einzulassen und sich an ihr zu erfreuen, aber auch behutsam mit ihr umzugehen. Aber die Wahrheit ist, dass wir uns gar nicht interessieren für Ehrenpreis oder Kleiber oder Weg 2 unterhalb des Bullauer Hofs. Es ist kein Interesse, es ist etwas ganz anderes. Es ist vielleicht eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach dem, wie es sein könnte. Wie es sein könnte, wenn etwas anders wäre.
Als wirklichkeitsgetreues, genaues aber humorvolles Buch, "vielleicht das poetischste, das in diesem Frühjahr zu haben ist", feiert Rezensentin Elisabeth von Thadden diesen Versuch über die Natur, dessen Autoren Andreas Maier und Christine Büchner ihrem Eindruck zufolge mit allen Bereichen der Philosophie-, Literatur- und Technikgeschichte vertraut sind, aber trotzdem seltsamen Pflanzen wie dem Ehrenpreis oder Seifenkraut den Vorzug geben oder davon berichten, wie sie plötzlich den Ekel gegenüber einer Kölner Taube verloren haben. Mit großer Hingabe nimmt die Rezensentin also an den im Buch unternommenen Spaziergängen durch die Natur und die sie bezeichnende Sprache teil. Das Autorenduo halte fest, was den meisten entgehe, schreibt sie bewegt. Dabei beeindruckt die Rezensentin nicht allein das Benennen der Naturphänomene, sondern auch die Tatsache, dass die Sprache selbst zum Thema wird. Eigentlich würde sie deshalb lieber aus dem Buch zitieren, vorlesen, statt selbst darüber zu schreiben. Denn sie fürchtet, der eigenwilligen Poesie des Buches mit ihren eigenen Formulierungen viel zu nahe zu treten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2006
Dieses "schmale" aber dabei "aufrührende" Buch sollte man "langsam und bedächtig" lesen, damit es einem das Herz öffnet, meint der eingenommene Eberhard Rathgeb. Der Romancier Andreas Maier und die Literaturwissenschaftlerin Christine Büchner halten ein Gefühl und Interesse für die Natur fest, eine Haltung, die in ihrer Generation " nicht gerade repräsentativ" ist, wie der Rezensent meint. Bei aller Freude an Vogelgesang und dem Sprießen von Busch und Baum handelt es sich keineswegs um romantische Schwärmerei, sondern um eine "kritische Naturkunde", der es darum geht, dem "Naturgefühl" die nötige "Bodenhaftung" zu geben, stellt Rathgeb klar. Die Autoren haben also beileibe kein "Pamphlet" gegen den Zivilisationswahnsinn geschrieben, erklärt der Rezensent. Trotzdem könne das Büchlein ein "Manifest des Widerstehens und Weitersehens" werden, so Rathgeb zuversichtlich, dem dieses "Traktat über den Seelensegen der Naturerfahrung" offenbar sehr gefällt.
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