Christine Eichel

Das deutsche Pfarrhaus

Hort des Geistes und der Macht
Cover: Das deutsche Pfarrhaus
Quadriga Verlag, Köln 2012
ISBN 9783869950402
Gebunden, 320 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Eine Pfarrerstochter ist Kanzlerin, ein ehemaliger Pfarrer Bundespräsident. Zufall? Seit Martin Luther den Zölibat verwarf, stieg das deutsche Pfarrhaus zum Paradigma christlichen Zusammenlebens auf. Als Hort der Bildung und Bollwerk gegen säkularen Sinnverlust wurde es auch gesellschaftlich relevant: religiöses Biotop und politischer Gegenentwurf, bürgerliche Enklave und antibürgerlicher Kampfschauplatz. Und nicht zuletzt Heimat so unterschiedlicher Pfarrerskinder wie Albert Schweitzer, Friedrich Nietzsche oder Gudrun Ensslin. Die Geschichte des deutschen Pfarrhauses erzählt von einem geistigen Reizklima mit hohem Wertepotenzial. Glaube, Liebe, Hoffnung, aber auch Kritik, Einspruch und Radikalität das sind offenbar wieder attraktive Optionen in Zeiten des unverbindlichen Pragmatismus. Das deutsche evangelische Pfarrhaus steht singulär in der europäischen Kulturgeschichte. Wohl in keinem anderen Land hat man den Pfarrer und seine Familie derart aufmerksam in den Blick genommen: als Träger der protestantischen Kultur, als geistliches Kraftfeld, als künstlerisches Ferment.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2012

Spannend findet Rezensent Hannes Hintermeier das Thema durchaus. Die deutschen Pfarrhäuser bilden ein unerschöpfliches Reservoir an Geistesgrößen und Ideengeschichte, ihnen entspringt nicht allein die pietistische Strenge, sondern auch Aufklärung, Literatur und Musikleben, erklärt er. Von Gryphius, Lessing und Schleiermacher über Nietzsche und Hesse bis zu Gudrun Ensslin, Angela Merkel und Joachim Gauck reiche die Liste der Pfarrerskinder. Doch was die Autorin Christine Eichel aus dem Thema macht, scheint Hintermeier nicht zu genügen. Übel nimmt er ihr vor allem, dass sie die katholische Hälfte der Pfarrhäuser einfach außer Acht lässt. Auch dass sie aus dem E- immer wieder in das U-Segment verfällt, erfüllt ihn mit Missbehagen, denn die Fernseh- und Medienwelt gewinne so unverdientes Gewicht. Und dass Eichel die Debattierfreude und Selbstdisziplin hoch schätzt, mag für den Rezensenten noch angehen, aber dass sie Sinnenfeindlichkeit und den "Mangel an Eleganz" nicht kritisch betrachtet, das versteht er nicht.
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