Mit zahlreichen Abbildungen. Der Kilimandscharo ist auch ein Politikum: Noch Mitte des 19. Jahrhunderts stritt man in Europa darüber, ob es möglich sei, dass ein Berg so weit im Süden Afrikas Schnee tragen könne. Deutsche Missionare hatten das behauptet, ein englischer Forscher sie als dumm verhöhnt. So beginnt die Inbesitznahme einer Region und der Wettkampf zwischen den europäischen Kolonisatoren. Am Ende wird das gesamte Gebiet vorübergehend deutsche Kolonie, der Kilimandscharo Deutschlands höchster Gipfel. Und der Kilimandscharo ist Sehnsuchtsgegenstand: Abenteurer und Forscher versuchen im 19. Jahrhundert den Berg zu vermessen, Flora und Fauna zu erkunden, Proben abzugreifen, zu beschreiben und schließlich den Gipfel zu besteigen, was 1889 Hans Meyer, Sohn des Verlagsgründers Meyer (Konversationslexikon), gelang. Noch heute scheint die Sehnsucht ungebrochen: Jährlich versuchen Tausende den Gipfel zu bezwingen - hauptsächlich Deutsche.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.03.2011
Zumindest in kolonialistischen Zeiten war der Kilimandscharo der Deutschen liebster Sechstausender, der Kaiser-Wilhelm-Gipfel beflügelte eine Bezwingerprosa, die von religiöser Ergriffenheit wie von imperialistischen Gelüsten gleichermaßen angetrieben wurde. Christof Hamann und Alexander Honold haben diese Ergüsse kulturwissenschatlich unter die Lupe genommen. Die Rezensentin hat das offenbar mit Interesse gelesen, konnte sie dabei doch nicht nur die Exzesse einer Erobererrhetorik nachvollziehen, sondern erfuhr auch einiges über die "Magie der Karten" und die "Geografie als Fetisch".
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