Von Ina Heumann, Holger Stoecker, Marco Tamborini und Mareike Vennen. Ein Jahrhundertfund: die wechselvolle politische und wissenschaftliche Geschichte des Brachiosaurus brancai im Berliner Naturkundemuseum.
Ein Objekt überragt seit fast 100 Jahren die Berliner Museumslandschaft: das Skelett eines Brachiosaurus brancai. Der Dinosaurier ist eine Ikone der deutschen Museums-, Wissens- und Populärkultur. Die Ausgrabung der Knochenfragmente am Berg Tendaguru in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) gilt weltweit als eine der erfolgreichsten paläontologischen Unternehmungen. Im Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Museum hat sich der Brachiosaurus als besonders vielschichtiges und fragmentarisches Wissensobjekt erwiesen.
Die Beiträger zeichnen die wechselvolle Geschichte dieses Objekts nach: Entdeckt und ausgegraben in der Kolonialzeit, aufgestellt während des "Dritten Reichs" und nach dem Krieg in Ost-Berlin wiedererrichtet, steht es bis heute im Zentrum des Museums für Naturkunde Berlin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.02.2019
Rezensent Volkart Wildermuth lernt aus diesem Buch, das er für seine schöne Aufmachung und die reichhaltigen Illustrationen lobt, vor allem eins: Dinosaurierskelette, wie sie uns in den Naturkundemuseen entgegenschreiten, sind nicht nur Objekte der Natur-, sondern auch der Kulturgeschichte. So lernt der Rezensent etwa aus dem Band, dass die DDR Skelette aus dem Berliner Naturkundemuseum an Japan auslieh, um an Devisen und an Chemikalien zur Konservierung zu kommen. Wichtiger sind natürlich die Erkenntnisse aus der Kolonialgeschichte, die die Tendaguru-Expedition betreffen. Dort, im heutigen Tansania, damals Deutsch-Ostafrika, wurden so viele Knochen gesammelt, dass die Kisten bis heute nicht vollständig geöffnet sind. Ob im Buch auch über die Restitutionsdebatte gesprochen wird, die ja nicht nur Kunstwerke betrifft, lässt der Rezensent offen.
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