Das amerikanische Kino präsentiert sich gerne glamourös und unterhaltsam. Doch Hollywood war stets nicht nur um Profite, sondern auch um kulturelles Prestige bemüht. Christof Decker zeigt, wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im sozialen Melodrama beide Bedürfnisse zusammentrafen. Es ermöglichte eine kritische Auseinandersetzung mit der amerikanischen Gesellschaft und brachte avancierte künstlerische Formen hervor. Regisseure wie King Vidor, Frank Capra oder Fritz Lang machten den Film damit zu einem zentralen Faktor innerhalb der amerikanischen Kultur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.01.2004
Julian Hanich ist alles in allem recht angetan von dieser Studie über das soziale Hollywood-Melodrama zwischen 1840 und 1950. Er lobt das Buch als "kluge Studie". Der Amerikanist Christof Decker halte ein "überzeugendes Plädoyer für die Populärkultur": Er versteht das soziale Melodram als ein Medium, in dem "moralische Anliegen" und aktuelle gesellschaftliche Ereignisse mittels "großer Gefühlen" dem Zuschauer vermittelt werden, so Hanich. Dabei gehe Decker zwar durchaus chronologisch vor, widme jedoch den Filmen der 1930er Jahre den breitesten Raum, während er die Periode bis zur Jahrhundertwende lediglich in einem Kapitel zusammenfasst. Deshalb moniert Hanich ganz vorsichtig den "milden Etikettenschwindel" des Titels, der angibt, den gesamten Zeitraum von 1840 bis 1950 zu behandeln. Auch die Ankündigung, "medienübergreifende Analyse" vorzunehmen, findet der Rezensent etwas übertrieben, denn die Untersuchungen des Films machen, wie er mitteilt "vier Fünftel" der Studie aus. Trotzdem ist der Band "methodisch interessant", lobt der Rezensent, weil er zum einen analysiere, wie gesellschaftliche Probleme durch das Melodrama aufgegriffen werden und zum anderen die verschiedenen Anliegen untersuche, die das Hollywood-Melodram unter einen Hut zu bringen hatte - ökonomischen Interessen, politische Rücksichten und das Bemühen um "gesellschaftliche Legitimation".
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