Das Filmmelodram gilt seit rund 100 Jahren als populäre Form des bürgerlichen Erzählkinos. Besonders im Nationalsozialismus zeigte sich außerdem seine Funktionalisierbarkeit für ideologische Kontexte in affirmativer wie in subversiver Absicht. Die vorliegende Arbeit untersucht die Verortung melodramatischer Spielfilme zwischen bürgerlicher Kultur und nationalsozialistischem Kunstanspruch. In kompakten Überblicksdarstellungen wie in detaillierten Einzelanalysen rekonstruiert die Autorin die jeweiligen Rezeptionsbedingungen zwischen soziopolitischen Realitäten und mentalen Verfasstheiten der "Volksgemeinschaft". Dies wird als Schlüssel zu der Frage verstanden, wie die Filme und die in ihnen entworfenen Welt- und Wertemodelle von ihrem Publikum verarbeitet wurden. Die hier erstmals unternommene Untersuchung der gesamten melodramatischen Filmproduktion der NS-Zeit überprüft das Konzept eines kohärenten "Genres".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2010
Rüdiger Suchsland hat sehr angeregt zwei Bücher zum kaum erforschten Thema der Kinogefühle gelesen. Astrid Pohls aus ihrer Dissertation hervorgegangene umfassende Untersuchung des Melodrams zwischen 1933 und 1945 schließt seines Erachtens eine "Lücke", weil es den bisherigen Einzelbeispielen ein Überblickswerk zur Filmgeschichte im Nationalsozialismus gegenüberstellt, lobt der Rezensent. Zudem hätte es sich auch hervorragend als Filmlexikon verwenden lassen, wenn der Verlag nur ein Namen- und Filmregister beigegeben hätte, merkt der Rezensent mit leisem Bedauern an. Pohl kann überzeugend nachweisen, dass gerade das Melodram sich als Identifikationsangebot und mit seiner Strategie der emotionalen Überwältigung als Propagandainstrument eignet, so Suchsland anerkennend. Und auch die zugleich vorhandene "subversive" Ader des Melodrams, das nicht selten für den "individuellen Glücksanspruch" eintritt, sieht der sehr angetan wirkende Rezensent überzeugend dargelegt.
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