Es ist der 9. November 2021, Lockdown in Berlin, doch das Leben bleibt nicht stehen. Der berühmte, aber menschenscheue Schriftsteller Bernard Entremont ist angereist, um einen Preis entgegenzunehmen - ein Ereignis, mit dem die halbe Stadt in Berührung kommt. Engmaschig verwebt Christoph Peters die vielen Geschichten eines Tages und erzählt packend vom Leben in unserer Gegenwart: von der hektisch strippenziehenden Kultursalonière, vom verschwörungsgläubigen Politikersohn beim seltenen Vaterbesuch, von der nicht mehr ganz so jungen Influencerin und ihrem Partner, der endlich seinen dritten Roman schreiben will, vom jungen deutsch-türkischen Pärchen, das nach einem positiven Schwangerschaftstest schwankt zwischen Freude und Angst, vom afghanischen Flüchtling auf der Suche nach einem Fixpunkt im anonymen Getriebe der Stadt. Es ist das große, messerscharfe, wimmelnde Portrait einer Gesellschaft, die sich auf ihre alten Formen nicht mehr verlassen kann, die neuen aber noch nicht gefunden hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2023
Oliver Jungen sieht in Christoph Peters zweitem Koeppen-Remake eher eine Fingerübung als ein originelles Stück Literatur. An Koeppens in der alten Bundesrepublik spielende "Trilogie des Scheiterns" und seine "Tauben im Gras" reicht Peters mit seinem Aktualisierungsversuch laut Jungen nicht heran, schon weil der gesellschaftliche Rahmen bei Koeppen viel wuchtiger rüberkommt. Zwar passt Koeppens episodische Romananlage gut ins Heute, findet Jungen, doch überzeugen den Rezensenten weder die Figuren-Entsprechungen, zum Beispiel der Schriftsteller Entremont aka Houllebecq als Mr. Edwin, noch die Einfühlung in die Charaktere.
Rezensent Christoph Schröder setzt Christoph Peters' Roman in einen Zusammenhang mit Wolfgang Koeppens "Tauben im Park". Wie dieser, führt er aus, erzählt auch Peters nicht die Geschichte einer einzelnen Figur, sondern entwirft ein urbanes Geflecht mithilfe mehrerer Perspektiven, das in diesem Fall im Berlin der Coronazeit angesiedelt ist. Der Text greift, lernen wir, die Gedanken der diversen Figuren auf, die teilweise bekannten Persönlichkeiten wie Karl Lauterbach oder Michel Houellebecq nachempfunden sind. Keineswegs geht es dabei laut Schröder immer politisch korrekt zu, auch rassistische Gedanken und sexistische Vorurteile finden Raum. Kunstvoll und doch unaufdringlich miteinander verzahnt sind diese Lebenswege, lobt der Rezensent, insgesamt setzen sie sich zu einem Berlinbild zusammen, das der Stadt wenig schmeichelt: Viel zu holen gibt es hier nicht mehr, entnimmt Schröder dem Buch, und die Härten der Pandemie sind dafür weniger Auslöser als Symptom.
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