Christoph Ribbat

Deutschland für eine Saison

Die wahre Geschichte des Wilbert Olinde jr.

Klappentext

Nur ein "Ausländer" pro Mannschaft: Das ist 1977 die Obergrenze in der deutschen Basketball-Bundesliga. Der Ausländer in Göttingen heißt Wilbert Olinde und ist gerade aus Los Angeles gekommen. Die Deutschen wundern sich über ihn. Er wundert sich über die Deutschen. Nur ein Jahr will er bleiben. Doch dann kommt alles anders. "Deutschland für eine Saison" erzählt von deutscher und amerikanischer Zeitgeschichte. Es führt in den Alltag Roth-Händle rauchender Basketballprofis, sektbeschwipster Damenmannschaften und im Kraftwerk-Sound singender Fans. Und es erkundet den Rassismus auf beiden Seiten des Atlantiks. Vor diesem Panorama entsteht das Porträt des Wilbert Olinde: eines nachdenklichen amerikanischen Sportlers, aus dem ein deutscher Inspirationscoach, Vater und Nachbar wird. Christoph Ribbat nimmt den Leser mit in die Sonne Südkaliforniens, in bundesrepublikanische Sporthallen und in die von Gewalt geprägte Geschichte Louisianas. Er berichtet von einer ganz besonderen Familie: von Krisen und Neuanfängen, von Diskriminierung und von Courage. Wilbert Olinde, so zeigt dieses Buch, ist ein Held der Migrationsgesellschaft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017

Rezensent Moritz Behrendt kommt gar nicht aus dem Staunen raus über dieses Buch des Amerikanisten und Kulturwissenschaftlers Christoph Ribbat. Denn was der Autor hier aus der Biografie des vor allem in Göttingen bekannten schwarzen Profi-Basketballers Wilbert Olinde jr. macht, findet der Kritiker ziemlich beeindruckend. Ära Kohl, deutscher Herbst, restriktive Ausländerpolitik der Achtziger werden hier ebenso verhandelt wie der Vietnam-Krieg oder die Diskriminierung der Schwarzen in den USA, berichtet der Rezensent, der insbesondere Ribbats Einfühlungsvermögen, sein Gespür für Pointen und die präzise Beobachtungsgabe bewundert. Und wie der Autor historische Tiefenbohrung, Anekdoten und Biografisches verknüpft, aktuelle Bezüge, etwa zum Thema Integration, herstellt und als weißer Akademiker, der über einen schwarzen Sportler schreibt, über kulturelle Aneignung sinniert, ringt dem Rezensenten größte Anerkennung ab.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.11.2017

Fasziniert hat Rezensent Martin Eimermacher "Die wahre Geschichte des Wilbert Olinde jr." gelesen, die der Anglistik-Professor Christoph Ribbat hier weder romanhaft noch biografisch, sondern vielmehr historisch rekonstruiert, wie der Kritiker lobt. Eimermacher taucht hier gemeinsam mit dem schwarzen Basketball-Star ein in Bonner Mentalitätsgeschichte, erlebt Rassismus in den Südstaaten oder in Göttingen und staunt, wie lebensnahe und sinnlich Ribbat zu erzählen vermag.