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Ibram X. Kendi

Gebrandmarkt

Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika
Cover: Gebrandmarkt
C.H. Beck Verlag, München 2017
ISBN 9783406712302
Gebunden, 604 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Susanne Röckel und Heike Schlatterer. Wenn Sie Amerikaner sind und schwarz, dann ist ihre Chance, von der Polizei erschossen zu werden, höher als wenn sie weiß sind. 21-mal höher. Obwohl die USA sich rühmen, ein post-rassistisches Land zu sein und sogar einen farbigen Präsidenten gewählt haben, sitzt der Rassismus tief. Dieses zornige Buch ist die Geschichte einer nationalen Schande - so intensiv, dass es weh tut. In einer Tour de Force erzählt der junge amerikanische Historiker Ibram X. Kendi die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika - von den Puritanern bis zu Black Lives Matter. Er zeigt, dass der Rassismus nicht nur aus den trüben Quellen von Ignoranz und Hass aufsteigt, sondern von Anfang an dazu diente, Diskriminierung zu rechtfertigen und plausibel zu machen. Sein Buch führt uns durch eine erschreckende Geschichte voller Gewalt, Dummheit und Arroganz. Die Vorstellung, dass Schwarze minderwertig sind und selber schuld an ihrer schlechten Lage, hat sich so tief in die kulturelle DNA der Vereinigten Staaten eingeschrieben, dass der Rassismus bis heute allgegenwärtig ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2018

Rezensent Julian Weber hat zwei Bücher über Rassismus gelesen: Mit seiner umfangreichen Studie "Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika" antwortet der Historiker Ibram X. Kendi laut Weber kompetent und differenziert zugleich auf die komplexe Frage, wie, warum und mit welchen Logiken Rassismus gegen Schwarze in den USA entstand. Verfasst in den Jahren 2015 und 2016, sei der  Band zeitgleich mit der "Black Lives Matter"-Bewegung entstanden, informiert der Rezensent. Kendi veranschauliche die Linie, die sich von der Sklaverei zu heutigen, rassistisch motivierten Gewalttaten ziehe, mithilfe der schriftlichen Zeugnisse von fünf historischen Persönlichkeiten, beispielsweise Thomas Jeffersons. So stelle der Autor unter anderem fest, dass eine Analogie zwischen dem heutigen rassistischen Diskurs gegenüber Afroamerikanern und der Darstellung von Sklaven bestehe, die gewaltsam nach Nordamerika verschleppt wurden, betont Weber. Als Ergänzung empfiehlt der Rezensent Wulf D. Hunds Studie "Wie die Deutschen weiß wurden. Kleine (Heimat)Geschichte des Rassismus". Unter anderem zeige Hund hier mit Blick auf die Bildkunst, dass Rassismus in Deutschland "länger heimisch war als die Deutschen", zitiert Weber.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2017

Michael Hochgeschwender bekommt keine definitive Geschichte des Rassismus in Amerika mit Ibram X. Kendis Buch. Ambivalent erscheint ihm der Band, da er einerseits materialreich und lesbar ein finsteres Kapitel der US-Geschichte aufblättert, andererseits aber die geistigen Wurzeln des Rassismus erkundet, indem er Rassensklaverei auf ökonomische Motive zurückführt, was den Rezensenten nicht überzeugt. Die ersten beiden Hauptteile des Buches findet Hochgeschwender stark. Der Versuch des Autors, darüber hinaus ein aktivistisches Manifest zu verfassen, führt den Rezensenten allerdings zu der Vermutung, der Autor pflege einen eigenen unreflektierten rassistischen Essentialismus.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2017

Matthias Kolb wird von Ibram X. Kendi mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert, dass sich die rassistischen Strukturen der USA erst dann ändern werden, wenn die Abschaffung der Diskriminierung Politikern Vorteile bringt. Für Kolb ist Kendis Text das Buch der Stunde, weil es die Debatten in den USA in einen Kontext stellt. Der hiesige Leser erfährt laut Kolb Aufschlussreiches über Charlottesville, Denkmälerstreit oder auch die Kontinuitäten im Diskurs über Schwarz und Weiß. Die Illusion, dass die Geschichte eine Verbesserung des Verhältnisses bringt, nimmt der Autor dem Leser mit Macht, warnt Kolb. Wie Bücher und Filme rassistische Vorstellungen befördern und einbrennen, vermag ihm der Kulturhistoriker eindrücklich darzulegen.
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