Philosophie der Musik

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406829949
Gebunden, 510 Seiten, 38,00
EUR
Klappentext
Ein Durchgang durch die Musikgeschichte von Knochenflöten und Dithyrambenchören über mittelalterliche Choräle und die Wiener Klassik, Wagner und Mahler bis zu Zwölftonmusik, Jazz und Rap: Noch die neueste Musik lässt sich nur durch die Vergegenwärtigung ihrer frühesten Anfänge verstehen. Was ist das für ein merkwürdiges, ebenso penetrantes wie scheues Etwas, welches durch unsere Ohren tief in uns eindringt, im Nu erklingt, im Nu verklingt, uns erschüttert, rührt oder erheitert, jedenfalls bewegt und prägt - und sich doch nicht festhalten lässt? Mit dieser Frage hat es die Philosophie der Musik zu tun: mit einem Geheimnis, das nach erhellenden Worten verlangt. Erhellend heißt nicht auflösend. Wer das Geheimnis der Musik auflösen möchte, wird scheitern. Geheimnislose Musik wäre zudem ohne jeden Zauber. Sie hätte uns nichts mehr zu sagen. Ihr Geheimnis erhellen heißt seine Ausstrahlung maximieren, es in das Wechselspiel von Sensorik und Motorik, Vorstellung und Denken barrierefrei einfügen. Je heller, je aufgeklärter es durch die Worte wird, desto mehr läßt es auch von seinem Innenleben erahnen, an das Worte nicht heranreichen.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.04.2025
Rezensent und Musikkritiker Helmut Mauró jubelt: Endlich ein Buch über Musik, dass sich nicht über den Einfluss Mozarts oder Bachs auslässt, sondern tatsächlich Fundiertes und Neues zu bieten habe. Denn der Autor gebe sich hier nicht wie viele andere Bücher mit der Grundannahme zufrieden, dass es Musik in der ein oder anderen Form schon immer einfach gegeben habe, sondern setzt sich kritisch und historisch sehr differenziert mit ihrer Entstehung auseinander: hochspannend, wie Türcke hier bis zur psychologischen Reizabfuhr beim Schreien während des Menschenopferrituals zurückgeht, findet Mauro. Auch sonst zeigt es für den Kritiker nur Vorteile, dass einmal nicht aus der Warte der musikalischen Praxis oder der Musikwissenschaft, sondern der Philosophie argumentiert wird: So könne Türcke versiert etwa Adornos abwertende Haltung zum Jazz auseinandernehmen, mit dem Argument, dass es bei Musik eben nicht um intellektuelle Höhenflüge beim Komponieren, sondern schlicht um die Wirkung beim Hörer gehe, resümiert der Kritiker kopfnickend. Wie der Autor zu solcherlei Einsichten gelangt, auf philosophisch hohem Niveau, dabei sehr ausführlich und doch spannend geschrieben, erntet großen Respekt beim Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025
Erst Licht, dann Schatten macht Rezensent Jan Brachmann in Christoph Türckes philosophischer Annäherung an die Musik aus. Das Licht währt für Brachmann 130 Seiten lang, in denen es unter anderem um die leiblichen Dimensionen des Musikerlebnisses geht, um die Frage nach der Herkunft der Musik, die Türcke zunächst mit Verweisen auf biopsychologische Tierforschung und vermittels Überlegungen zur Rolle des aufrechten Gangs des Menschen sowie der außergewöhnlichen Größe des menschlichen Gehirns stellt. Auch die psychoanalytische These, die Türcke aufstellt, derzufolge Musik mithilfe des Freudschen Konzepts des "Primärvorgangs" begriffen werden kann und im Kern ein Echo, aber auch eine Überschreibung des Opferschreis beim Menschen-, später dann beim Tieropfer darstellt, findet Brachmann noch interessant. Um im Anschluss freilich kritisch anzumerken, dass Türckes weiterführenden Überlegungen zur Musikgeschichte erstens viel zu eurozentrisch gefasst sind, dass der Autor zweitens viele wichtige Forschung vor allem der empirischen Tradition außer Acht lässt und etwa auch nicht auf die Idee kommt, dass Musik etwas mit frühkindlicher Prägung etwa durch Wiegenlieder zu tun hat. Konkret nennt Brachmann als Desiderat unter anderem die Arbeiten des Hirnforschers Eckart Altenmüller - Adorno hingegen kann Türcke nicht genug zitieren. Dieses Ungleichgewicht schadet dem Buch, findet der Rezensent, der sich mehr Offenheit gegenüber evidenzbasierter Wissenschaft gewünscht hätte.