Herakles ist der Sohn des Zeus und somit nichts weniger als ein Halbgott. Sokrates ist der beste Freund des Herakles, seines Zeichens ein Halbhund: teils Töle, teils Philosoph. Treu ergeben begleitet Sokrates Herakles bei all seinen großen Taten und während dieser die Frauen umgarnt und Monster verprügelt, denkt Sokrates. So hat er für jeden glorreichen Triumph und jede peinliche Schlappe seines Herrchens den passenden Kommentar in petto.
Eine originelle Aneignung der Antike attestiert Katja Lütge dem auf vier Bände angelegten Comicwerk „Sokrates der Halbhund“ von Joann Sfar und Christophe Blain. Der gerade erschienene dritten Band „Ödipus in Korinth“ erzählt zum Beispiel davon, wie Halbhund Sokrates das ausgesetzte Baby Ödipus findet, das er nach den Prinzipien der Gewaltlosigkeit aufziehen möchte. Lütge scheint auch nicht so genau zu wissen, was sie davon halten soll. Sie sieht darin eine „sonderbare Mischung aus Gewalt und Spaß“, krude vielleicht, aber auch höchst komisch. Und letztlich auch melancholisch, ist für sie doch hinter der grellen Oberfläche die Sinnlosigkeit des menschlichen Seins zu spüren.
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