Claire Messud

Familie Jäger

Zwei kurze Romane
Cover: Familie Jäger
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN 9783421056818
Gebunden, 216 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dora Winkler. Eine amerikanische Wissenschaftlerin will den Sommer allein in London verbringen, doch schon bald stört eine Nachbarin ihr zurückgezogenes Leben. Ridley Wandor, von auffallender Häßlichkeit, lebt mit ihrer unsichtbaren Mutter und der geheimnisvollen "Familie Jäger" zusammen, die sich als unüberschaubare Menge von Kaninchen entpuppt. Sie arbeitet als Altenpflegerin und drängt der Wissenschaftlerin die Geschichte über ihre Patienten auf, die alle innerhalb weniger Tage sterben. Fühlte die Erzählerin sich bisher verfolgt, ist sie plötzlich besessen, das Geheimnis der Nachbarin zu ergründen. Abgestoßen und fasziniert zugleich, verstrickt sie sich immer tiefer in Beobachtungen und Spekulationen über die Frau mit dem "unnachahmlich schauerlichen Lachen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2005

Begeistert ist Kersten Knipp nicht gerade, dennoch hat die düstere Stimmung der beiden Kurzromane der amerikanischen Autorin ihre Wirkung nicht verfehlt: Am Ende der Besprechung steht ein Satz über den Tod als "dunklen Fleck der Existenz, der auch durch den lichtesten Gedanken nicht zu erhellen ist". Denn darum geht es in diesem Buch. In Roman Nummer eins ("Eine einfache Geschichte") geht es um zwei alte Frauen, die keinerlei Illusionen mehr haben; ihre Leben sind sehr unterschiedlich verlaufen - die eine hatte eine erfüllte, friedliche Existenz, die andere überlebte den Naziterror und verlor früh ihren Mann - und finden doch jetzt in der trägen "Großmutterexistenz" ihren gemeinsamen Nenner. Mit "Willen zur Melancholie" geschrieben und manchmal allzu melancholisch, findet Knipp. Roman Nummer zwei ("Familie Jäger") beschreibt er als "hermetisches Geraune" einer Ich-Erzählerin, die sich in London der Einsamkeit hingibt und angesichts ihrer unheimlich anmutenden Nachbarin auf morbide Gedanken kommt, bis sie schließlich wieder in ein aktives Leben zurückkehrt. Die Lehre, laut Rezensent: Todesromantik und Moderne vertragen sich nicht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2004

Angela Schader ist angetan von den beiden in diesem Erzählband versammelten Geschichten, die ihrer Ansicht nach ein "wohltemperiertes Unbehagen" ausstrahlen. Die erste Geschichte erzählt von einer Frau, die gleich zu Beginn in den "Arbeits- und Auffanglager des Zweiten Weltkriegs" Dramatisches durchmacht und sich im weiteren Verlauf ihres Lebens wenig mehr als "sparsame Regungen" zugesteht. Besonders berührend findet Schader in dieser Geschichte die "winzigen, spät eroberten Freiräume" der Protagonistin, die dem "dramatischen Auftakt" eine "bodennahe Perspektive" entgegen hält. An der zweiten Geschichte - Thema ist die nachbarschaftliche Begegnung zweier Frauen - gefällt der Rezensentin besonders die Ambivalenz, mit denen die Geschehnisse einer Beurteilung entzogen werden :"der Text scheint das Material zur Beurteilung dieser Fragen nur bereitzustellen, um es der vorschnellen Anwendung mit taschenspielerhafter Geste wieder zu entziehen."
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