Steven Levitsky, Daniel Ziblatt

Die Tyrannei der Minderheit

Warum die amerikanische Demokratie am Abgrund steht und was wir daraus lernen können
Cover: Die Tyrannei der Minderheit
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2024
ISBN 9783421070036
Gebunden, 352 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Klaus-Dieter Schmidt. Wir müssen die Demokratie reformieren, bevor sie sich selbst abschafft. Wie kann es uns gelingen, die Demokratie vor radikalen Minderheiten zu schützen, die sie von innen untergraben, destabilisieren und sogar zu zerstören drohen? Steven Levitsky und Daniel Ziblatt zeigen am Beispiel der USA, wie die Kräfte entstehen, die unsere demokratischen Prinzipien in ihren Grundfesten erschüttern und autoritären Strömungen den Weg ebnen. Sie beschreiben das große Paradox westlicher Demokratien: Dass nämlich Inklusivität und Diversität oft gerade ausgrenzende Gegenbewegungen erzeugen. So wird deutlich: Die Demokratie steht an einem Scheideweg und muss jetzt reformiert werden, wenn sie nicht zu einer Herrschaft der Minderheit verkommen soll. Die Zukunft der Demokratie steht nicht nur bei den US-Wahlen 2024, sondern - angesichts des Aufstiegs der AfD und anderer rechtspopulistischer Parteien - auch in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt auf dem Spiel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.05.2024

Mit ihrem Buch "Wie Demokratien sterben" hatten Steven Levitsky und Daniel Ziblatt 2017 nach der Wahl Trumps Aufsehen erregt, jetzt kann Rezensent Matthias Kolb den Nachfolger lesen: Es geht um die Frage, woran die krisengebeutelte amerikanische Demokratie krankt und wie sie vielleicht doch noch gerettet werden kann. Die Autoren kritisieren das komplizierte Wahlrecht mit seinen Ungleichheiten, etwa, dass der Bundesstaat Wyoming genauso viele Senatoren wählen darf wie das siebzigfach bevölkerungsreichere Kalifornien, dass die Richter am Supreme Court auf Lebenszeit eingesetzt werden und dass das Electoral College bei der Präsidentschaftswahl nicht immer nach der gewählten Mehrheit entscheidet, lernt Kolb. Auch die Hürden für eine Verfassungsänderung seien deutlich zu hoch. Die Ideen von Levitsky und Ziblatt umfassen einen vereinfachten Zugang zu den Wahlen und Amtszeitbegrenzungen für Richter - insgesamt ein Buch, das aufrütteln wird, ist sich der Kritiker sicher.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.05.2024

Keinen Raum für Illusionen lassen Steven Levitsky und Daniel Ziblatt in ihrem Buch über den Niedergang der amerikanischen Demokratie, stellt Rezensent Martin Tschechne fest. Die USA sind zu einem "demokratischen Nachzügler" geworden, zeigen die Autoren mit Blick nicht nur auf die Präsidentschaft Donald Trumps, so Tschechne. Eine allgemeine Radikalisierung, der Sturm auf das Kapital, die Verbreitung von Verschwörungstheorien - das alles sind Zeichen für eine Schwächung des demokratischen Systems, deren Ursache die Autoren in der Fehlerhaftigkeit des politischen Systems sehen, das eine "Tyrannei der Minderheit" begünstigt. Tschechne wird mit diesen Ausführungen deutlich vor Augen geführt, woran die amerikanische Politik krankt: die ungleiche Verteilung von Sitzen im Senat, die Diskriminierung ganzer Bevölkerungsgruppen bei der Wahl und oberste Richter, die auf Lebenszeit im Amt bleiben können. Tschechne ist den Autoren dankbar, dass sie auf Polemik gänzlich verzichten - sie ist auch nicht nötig, denn Empörung stellt sich beim Rezensenten angesichts dieser schonungslosen Analyse sowieso ein.

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