Aus dem Amerikanischen von Claudia Voit. Eva und Jamie - sie, die stille Beobachterin aus einer bürgerlichen Familie in Brooklyn, er, der exzentrische Sohn aus reichem Hause in Upper Manhattan. Was als zufällige Begegnung in einem Krankenhaus beginnt, entwickelt sich zu einer tiefen Freundschaft, die stärker ist als ihre Unterschiede, stärker als Herkunft oder Status. Während Eva sich nach Normalität sehnt, stürzt Jamie sich in politische und religiöse Extreme - und doch kreisen beide um die große Frage: Wie lebt man in einer Welt, die von Ungleichheit und Spaltung geprägt ist?
Rezensent Nils Schniederjann liest Clare Sestanovichs Debütroman als eine "blockierte Coming-of-Age-Geschichte", was recht gut funktioniert, bis die Blockade nach der Hälfte des Romans leider zum erzählerischen Problem wird. Der erste Teil des Romans ist dem Bildungsweg von Sestanovichs Protagonistin Eva gewidmet und wird vor allem getragen von der Erzählung einer interessanten, ungleichen Freundschaft, lesen wir. Sestanonich erweist sich hier als genaue Beobachterin, lobt Schniederjann, im zweiten Teil jedoch verliert sie den Fokus. Es werden viele Fragen aufgemacht: Woher kommt diese Enttäuschung, die Eva fühlt; woher diese schale Traurigkeit; wieso ist sie, die doch alles "richtig" gemacht zu haben scheint, am Ende ihres Bildungsweges doch nicht dort, wo sie ankommen wollte; und wo oder was ist dieser traumhafte Ort überhaupt? Dass die Autorin diese Fragen nicht beantwortet, scheint für den Rezensentin weniger ein Problem zu sein als die Unentschlossenheit, mit der sie im zweiten Teil des Buches verschiedene Stränge aufgreift, Ereignisse andeutet, ohne sie je auszuerzählen. So bleibt am Ende dieses soliden Debütromans für den Rezensenten auch die Frage offen: Worum es dieser Autorin überhaupt geht?
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