Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Eigentlich könnte es kaum besser laufen für Nathaniel Piven. Er hat seinen ersten Buchvertrag in der Tasche, schreibt für angesagte Magazine und tummelt sich in der hippen Kulturszene von Brooklyn. Auch sein Liebesleben hat Aufwind. Seine Exfreundin Elisa versucht, ihn wieder zu verführen, die attraktive Greer flirtet mit ihm, und als er die intelligente, selbstbewusste Hannah kennenlernt und eine Beziehung mit ihr eingeht, scheint das Glück endgültig vor seiner Tür zu stehen. Das Problem ist nur, dass Nate es nicht hereinlässt. Je ernster es zwischen ihm und Hannah wird, desto mehr wird er von Zweifeln geplagt. Ist er tatsächlich bereit, sich jetzt schon zu binden? Ist Hannah wirklich die richtige Frau? Ein quälender Zerfallsprozess beginnt ... Adelle Waldmans viel diskutierter Bestseller ist ein humorvolles, aber auch entlarvendes Porträt einer Generation, die alles hinterfragt, sich aber bei der ersten aller Fragen - wie passen Männer und Frauen überhaupt zusammen? - immer wieder selbst im Wege steht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.08.2015
Aus guten Gründen ist Adelle Waldmans New-York-Roman in den USA zum Kultbuch geworden, findet Verena Mayer. Dabei wirkt der Gedanke vom Big Apple als Stadt, "in der man niemals miteinander schläft" auf die Rezensentin erst einmal wenig überzeugend, weil er seit "Frühstück bei Tiffany" und "Seinfeld" auserzählt sei. Manche Szenen und Dialoge erinnern Mayer in ihrer Plattheit dann auch an Sitcoms, mindestens aber an bekannte Hipster-Klischees. "Das Liebesleben des Nathaniel P." ist "der Roman zur Generation Tinder", schreibt die Kritikerin, wo jeder über Beziehungen reden, aber niemand eine führen will, und verdanke seinen Kultstatus vor allem Fans wie Serienstar Lena Dunham. Doch dann streicht Mayer die in ihren Augen größte Qualität des Romans heraus, nämlich seine kluge Perspektive. Der herabwürdigende und mitleidslose Blick des Protagonisten auf Frauen zeige, dass Sexismus auch in der vermeintlich intellektuellen Hipster-Welt ein Problem sei. Hintersinn und Ironie entdeckt die Kritikerin im Werk von Waldman, die gekonnt und poetisch die Tragik weiblicher Leben auffächere. Dass die Autorin nach vielen erfolglosen Jahren nun den Durchbruch schaffte, hält Mayer da für "ausgleichende Geschlechtergerechtigkeit".
Das Porträt des zeitgenössischen Mannes, verfasst von einer Frau? Und ob, meint Jan Küveler. Allerdings möchte er darum eigentlich nicht viel Lärm machen, lieber den starken Inhalt und die noch stärkere Haltung der Autorin Adelle Waldman herausstreichen, die den eher konservativ komponierten Roman emporschießt zum Bestseller. Als Sittenroman der Zeit bezeichnet Küveler den Text auch, weil er sich und die Seinen (Journalisten, Schriftsteller, gut bezahlte Bohemiens) darin so genau abgebildet findet, Zeitgeist eben. Dass Waldman den nicht einseitig fasst, parteiisch, sondern schwebend, scheint dem Rezensenten doch bemerkenswert.
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