Im englischen 18. Jahrhundert bildete sich ein neues Genre in der Kunst heraus: die politische und gesellschaftliche Bildsatire. Ihre Blütezeit fällt mit der Gründung der Royal Academy und dem Versuch zusammen, akademische Normen in der englischen Kunst durchzusetzen. Die Werke James Gillrays, eines ehemaligen Studenten der Academy, wurden herabwürdigend als "Karikaturen" bezeichnet und dennoch fleißig gesammelt. Die Zeitgenossen betrachteten Gillrays Werk als einerseits unflätig, geschmacklos, ungebildet, niedrig und einfältig, andererseits als sublim, originell und phantasiereich. Diese disparaten Äußerungen der Kritik werden erst durch die Rekonstruktion der theoretischen Grundlagen der Karikatur verständlich. Christina Oberstebrink nähert sich der Thematik, indem sie versucht, die Gattung Karikatur und ihre Prinzipien von der literarischen Gattung Satire in aristotelischer Tradition zu verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2006
Zufrieden zeigt sich Cristine Tauber mit Claudia Oberstebrinks Dissertation über James Gillray (1757-1815), einem der berühmtesten englischen Karikaturisten seiner Zeit. Sie teilt die Einschätzung der Autorin, Gillray sei seiner Zeit weit voraus gewesen. Wie sie berichtet, nimmt die Autorin zunächst das negative Image Gillrays bei den zeitgenössischen klassizistischen Kunstrichtern unter die Lupe, um sich dann der Frage nach dem poetologischen Hintergrund der englischen Karikatur des 18. Jahrhunderts sowie dem Spezifischen dieser Gattung zu widmen, die oft als niedrig und ästhetisch minderwertig empfunden worden sei. Demgegenüber zeige Oberstebrink das künstlerisch Fortschrittliche der Gattung auf, arbeite die Bedeutung von Gillrays Ästhetik für die Moderne heraus, und hebe insbesondere seinen autonomen Umgang mit dem künstlerischen Kanon sowie seine Sprengung klassizistischer Normen hervor. Kritisch sieht Tauber allerdings den Umstand, dass die Autorin Gillray nebenbei zum romantischen Künstlers mache.
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