Die öffentliche Wahrnehmung von Kriminalität und Gesetzesbrechern hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Nicht mehr die "armen Teufel", die "aus Dummheit einen Blödsinn machen", prägen das Bild, sondern zielstrebige und professionell vorgehende, intelligente Täter, und die allmächtigen "Paten" mit ihren gleichsam "unternehmerischen" Qualitäten. Der Soziologe Claudio Besozzi hat eine Reihe von biografischen Berichten und autobiografischen Aufzeichnungen berühmt-berüchtigter Mafiosi unter die Lupe genommen und im Hinblick auf Lebensstil und Weltanschauung, legale und illegale Tätigkeiten, den Umgang mit dem "verdienten" Geld ausgewertet. Besozzis Analyse lässt eine breite Palette von Verhaltens- und Denkstrukturen erkennen und zeigt, dass die von den Medien transportierte Karikatur des Mafioso kaum etwas mit der Wirklichkeit gemein hat. Nicht der eiskalte, rational und professionell agierende Padrone tritt in diesen Texten auf, sondern sehr unterschiedliche Menschen, die mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, einen Platz in der bestehenden Gesellschaftsordnung zu ergattern und ihrem Leben - in durchaus nachvollziehbarer Weise - Sinn zu verleihen.
Der Schweizer Soziologe Claudio Besozzi hat eine spannende Studie mit ernüchterndem Ausgang über Mafia-Bosse geschrieben, lobt Brigitte Werneburg. Auf der Basis von autobiografischen Aufzeichnungen von bekannten Mafiosi aus den USA und Sizilien sowie biografischem Material ist er, berichtet die Rezensentin, der Frage nachgegangen, was diese Männer als Bosse ausgezeichnet hatte, welche Einstellungen sie zu Gesellschaft, Familie und Arbeit und welchen Vorlieben sie bei Kleidung, Essen, Autos und Genussmitteln gefrönt hatten. Und, damit kommt Werneburg auf den Titel zu sprechen, was sie mit dem vielen Geld angestellt haben, das sie sich wohl weniger ehrenwert erworben hatten. Das jedenfalls, verrate der Autor in seiner "klugen soziologischen Entmystifizierung", sei alles andere als in den normalen Umlauf geraten. Trotz dieser Ernüchterung enthalte die Studie zahlreiche Anspielungen auf die Mafia-Filme von Scorsese, Coppola oder Mendes, was die Lektüre, findet Werneburg, "erst richtig spannend" mache.
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