Aus dem Italienischen von Anna Leube. Die Protagonisten von Magris' Geschichten haben es alle mit einer Zeit zu tun, die ohne Anfang und Ende zu sein scheint. Der reiche, alte Industrielle, der einen Schein-Rückzug aus dem Leben inszeniert; der Reisende, der im verschlafenen Donaustädtchen Krems, berührt von einem scheinbar unbedeutenden Zufall, die Zeitlosigkeit des Lebens und der Liebe entdeckt; der Musiklehrer, der seinen Schüler nach vielen Jahren in einer Begegnung zweideutiger Grausamkeit wiedersieht. Ironisch und schonungslos, melancholisch und nüchtern lassen Magris' Charaktere ihr Leben abklingen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.08.2022
Kristina Maidt-Zinke lernt mit Claudio Magris und seinen kleinen, weisen Erzählungen, dass der Autor im Alter nicht zum Schwatzen neigt und seine Helden - ein Schriftsteller, ein Industrieller im Ruhestand oder ein pensionierter Musiklehrer - gegen Ende des Lebens zu einer Leichtigkeit und Reflexion gelangen, die neidisch macht. Der Band ist gelungen, findet sie, sogar einmal der deutsche Titel. Der Leser kann laut Rezensentin erfahren, wie man würdevoll, wenngleich unter Kraftaufwand den Rückzug aus dem Leben antreten kann. Für Maidt-Zinke keine Kleinigkeit. Tipp von ihr: Mehrmals lesen, so offenbart sich die feine Ironie der Texte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2022
Rezensentin Angelika Overath schwelgt in der "utopischen Poesie" des Claudio Magris. Dessen Erzählungen über alte Männer aus der Zeit des österreich-ungarischen Triest, zu Reichtum gekommene Tagelöhner, jüdische Geigenlehrer, in Erinnerungen versinkende Professoren, bringen ihr das Wesen von Menschen nahe, dern Sehen und Sagen sich im Alter verändert und die Alltag und Geschichte auf sich vereinen. Den "Echoraum", den Magris damit öffnet, betritt Overath staunend über seine Melancholie und das in den Texten allgegenwärtige Meer.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2022
Rezensent Paul Jandl ist von den unoriginellen Protagonisten in Claudio Magris neuen Erzählungen etwas enttäuscht. In "Gekrümmte Zeiten" erzählt der in die Jahre gekommene italienische Schriftsteller von alternden Männern, darunter beispielsweise einem schwerreichen Firmenbesitzer oder einem polnisch-jüdischen Vater, die auf ihr Leben in Triest zurückblicken. Dem Rezensenten zufolge hätte Magris deutlich mehr aus den Geschichten machen können, doch bleibe seine Prosa meist so blutleer wie die letzten Lebensjahre. Meist denken seine Greise genau das, was man von ihnen erwartet. Das findet Jandl vor allem deswegen bedauerlich, weil Magris stets als Geheimtipp für den Literaturnobelpreis verhandelt wird.
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