Zadie Smith

Grand Union

Erzählungen
Cover: Grand Union
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2021
ISBN 9783462053760
Gebunden, 272 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Tanja Handels. Dieser erste Erzählungsband von Zadie Smith vereint neunzehn auch formal sehr unterschiedliche Storys, die sich um die Themen drehen, mit denen Zadie Smith zur Ikone der Literatur geworden ist: Frau-Mann, schwarz-weiß, Macht-Ohnmacht - und zunehmend auch Politik und das Älterwerden. Dabei bewegt sie sich scheinbar mühelos zwischen den Genres: von der historischen Erzählung über die aktuelle Story bis hin zur Dystopie - "Grand Union" ist eine literarische Bestandsaufnahme, welche Ereignisse der Vergangenheit unsere Identität bestimmen und bis in die Zukunft wirksam werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2021

Ein "rasant rotierendes Kaleidoskop" der "schwer zu fassenden Gegenwart" nennt Rezensent Tobias Sedlmaier Zadie Smith' ersten Erzählband. Schwer fasslich ist diese Gegenwart unter anderem wegen der Vielfalt disparater Elemente - einen Aspekt, den Smith durch eine ausufernde Formendiversität ausdrückt, lesen wir. Kaleidoskopisch sind also auch die Themen, Genres, Stile und Perspektiven in "Grand Union": Die titelgebende Story der neunzehn Geschichten erzählt von einem Roadtrip, den Michael Jackson, Marlon Brando und Elizabeth Taylor nach dem Anschlag auf das World Trade Center unternehmen, in "Kelsos Dekonstruktion" geht es um den rassistisch motivierten Mord Kelso Cochranes, und in "Fluss der Faulheit" sinniert eine badende Erzählerin über die Möglichkeit eines angenehmen Lebens im Falschen, resümiert Sedlmaier. Smith verweigert sich jedoch nicht nur eindeutiger Formen, sondern auch jenem Schwarz-Weiß-Denken, das Sedlmaier zufolge so viele aktuelle politische Diskurse kennzeichnet. Selbst wenn man mit Smith' überschwänglicher Erzählweise, ihrem Faible für das Absurde und ihrem eigensinnigen Humor wenig anfangen kann, zeigt sie doch einmal mehr, was Literatur im besten Fall kann: "Ambivalenzen darstellen und aushalten", schließt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.06.2021

Rezensentin Meike Fessmann hält einiges von Zadie Smiths Erzählungen in der Übersetzung von Tanja Handels. Als wäre die Autorin auf der Suche nach "anderen Formen des Erzählens" als in ihren Romanen und weniger auf die Pointe aus, als auf etwas Existenzielles, das für Fessmann allerdings aufgrund seiner Subtilität schwer zu benennen zu sein scheint. Dialoge sind gleichwohl weiterhin wichtig, erklärt Fessmann. Gemeinsam haben die Texte den Background des Brexit und der Trump-Zeit und eine gewisse "abwägende" Reife in der Haltung, stellt die Rezensentin fest. Thematisch reichen sie von toxischer Männlichkeit über Rassismus bis zu feministischer Theorie, so Fessmann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.06.2021

Rezensentin Julia Encke bespricht eine Premiere: Erzählungen von Zadie Smith. Die wechselnden Themen im Buch (früher Erfolg, Rassismus, Familienurlaub), zu der die Autorin jeweils eine andere Erzählkonstruktion findet, fordern Encke heraus. Mitunter geht es ihr auch etwas zu beiläufig zu, zu wenig verdichtet. Im Gespräch mit der Autorin findet sie heraus: Smith langweilt sich einfach schnell, Themen wie Rassismus und Klassismus aber interessieren sie, nicht als Kommentaranlass, sondern in ihrer historischen Dimension.

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