Clemens J. Setz, Philip Waechter

Till Eulenspiegel

Dreißig Streiche und Narreteien
Cover: Till Eulenspiegel
Insel Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783458200147
Gebunden, 148 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Jedes Kind kennt die Geschichten des berühmtesten aller Narren, der Eulen und Meerkatzen bäckt, einem Esel das Lesen beibringt und den Grafen von Anhalt für dumm verkauft. Sprichwörtlich sind seine Eulenspiegeleien, das penetrante Wörtlichnehmen und absichtliche Missverstehen, mit denen er sich Herren und Meister vom Leib hält. Doch nicht nur die Mächtigen werden Opfer seiner derben Späße, sondern auch arme Bauern und Handwerker, Tiere und Kinder. In Clemens J. Setz' Nacherzählungen ausgewählter Historien aus dem beliebten Volksbuch stiftet Till Eulenspiegel, 'diese vielleicht freieste Figur der deutschen Literatur', nichts als Unruhe und Chaos in den Dörfern und Häusern der braven, anständigen Menschen, zum diebischen Vergnügen des Lesers, herrlich hintergründig illustriert von Philip Waechter.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.06.2016

Tim Caspar Boehme lernt bei Clemens J. Setz einen ganz anderen Till Eulenspiegel kennen, einen, der sich kaum als Volksheld eignet, weil seine Späße seltsam sinnlos und destruktiv rüberkommen, nicht mehr brav subversiv wie gewohnt, auch wenn einige der bekannten Streiche Eingang in den Band gefunden haben, wie Boehme erläutert. Interessanter erscheinen die etwas irritierenden, von Setz nüchtern und so gar nicht familienfreundlich zwinkernd nacherzählten Auswüchse von Eulenspiegels speziellem Innenleben dem Rezensenten jedoch allemal, nur machen sie die Figur nicht sympathischer, warnt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2015

Gilt die von Erich Kästner und Walter Trier herausgegebene Till-Eulenspiegel-Version bis heute als Kinderbuch, rät Rezensent Andreas Platthaus bei der nun von Clemens J. Setz gemeinsam mit dem Illustrator Philip Waechter vorgelegten Ausgabe dazu, das Buch nur in Begleitung eines Erwachsenen zu lesen. Denn Setz, laut Kritiker ein Meister des Abgründigen, wählt ausschließlich die finstersten Eulenspiegel-Geschichten, informiert der Rezensent: Hier werden Hunde gehäutet, Pferde geschlachtet, Bürger bestohlen und nicht die Mächtigen, sondern die Ohnmächtigen werden zum Opfer. Platthaus gefällt Setz' Bearbeitung ausgesprochen gut, vor allem, weil der österreichische Autor zwar die Sprache modernisiert, aber den Handlungsrahmen des 14. Jahrhunderts nicht aktualisiert und sehr nahe an den Originalerzählungen bleibt. Beeindruckt ist der Rezensent auch von Waechters hinreißenden Aquarellen, allerdings erscheinen sie ihm nicht ganz passend zu den drastischen Erzählungen.
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