Für manche Menschen ist jede Zeit eine Zeit der Gefahr, in der das Leben intensiver wird, sich konzentriert auf den gegenwärtigen Augenblick, das Jetzt. Lebenshunger zeichnet sie aus und eine Unersättlichkeit, der fast alles geopfert wird. Stein, Österreicher in Kalifornien, der zwischen Neuer und Alter Welt pendelt, ist einer dieser ängstlich Verwegenen. Er lädt Stephane, seinen Freund aus Pariser Studententagen, zu dessen fünfzigstem Geburtstag an die Westküste ein. Ihr einwöchiges Zusammensein wird zu einer Fahrt ins Blaue, einem Erinnerungs- und Bilanztrip...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.06.2002
So müde und misanthropisch habe schon lange keiner mehr einen Roman angefangen und sein untröstliches Programm vom ersten bis zum letzten Satz durchgehalten, meint Rezensent Volker Breidecker eingangs über Erich Wolfgang Skwaras neuen Roman. Das ist indes eher als Lob zu verstehen, denn als Kritik, zeigt sich Breidecker doch überaus fasziniert von Skwaras "bleischwerem" (Anti-) Helden Stein. Mit Stein kehre eine Figur in die moderne Literatur zurück, die zum Stammpersonal der modernen Literatur gehöre: "der Dandy, der ewige Durchgänger einer jeden zu Tode gelangweilten Epoche". Ausführlich berichtet Breidecker von Steins Reise durch Südkalifornien, die eigentlich eine Reise in die Vergangenheit ist, seinem verlorenem Leben zwischen Paris, Lucca, London, und dem Versuch, seine Geliebte zu retten, die nach einem Suizidversuch im Koma liegt. Wenn Stein am Ende des Romans für das Recht von Menschen und Dingen auf ihren Absturz und ihr Zerbrechen plädiert, dann hat das für Breidecker auch eine heroische, positive Dimension.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2002
Martin Walsers Weisung in der FAZ, diesen Autor über so erstklassige literarische Nihilisten wie Beckett und Bernhard zu stellen, will Andreas Breitenstein partout nicht folgen. Skwaras zwischen Euphorie und Depression pendelnde einsame Helden wie im vorliegenden Roman der Literaturdozent Stein, Breitenstein nennt sie "Reisende in Sachen eigener Befindlichkeit", illustrierten am Ende doch bloß die Midlife-Crisis des Autors. Zu wenig interpretatorische Freiheit bietet das Buch dem Leser, der Hang zum Schematischen, zum Wehleidigen (wo sich Leiden artikulieren müsste) verhindert die Verwandlung des Stoffes ins Allgemeine, meint der Rezensent. Was Breitenstein außerdem vermisst, findet er indessen sogar bei Walser: die Ironie als "zuverlässiges Widerlager" zum pathetischen Selbstbild der Figur.
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