Ängste vor sozialem Abstieg prägen das Lebensgefühl der Mittelschicht. Je größer die Verunsicherung, desto mehr wird die "Mitte" als Hort von Sicherheit und Normalität herbeigesehnt. Anpassung mutiert dabei zur zentralen Strategie im Wettbewerb um Lebenschancen. Zugleich polarisiert sich die Mittelschicht immer mehr. Am unteren Ende kämpfen prekär Beschäftigte gegen den sozialen Abstieg, oben gelingt es dem bildungsorientierten Bürgertum, durch Abgrenzung Besitzstände zu verteidigen. Und dazwischen erhebt das moderne Kleinbürgertum die Selbstoptimierung zur Lebensaufgabe. Die neue Mitte, so das Fazit, ist von Leistungsdruck und Überforderung ebenso geprägt wie von der Rückkehr zu konservativen Werten - was sich nicht zuletzt in der Renaissance alter Rollenmuster in Ehe und Familie spiegelt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2013
Die gute Nachricht zuerst: die düstere Diagnose, die Cornelia Koppetsch der deutschen Mittelschicht ausstellt, trifft so nur punktuell zu. Findet jedenfalls Urs Hafner. "Die Wiederkehr der Konformität" (so der Titel dieser Zeitdiagnose), den Rückzug ins Private, den Verlust solidarischer Gedanken, die stärkere Vereinzelung und Selbsbezogenheit aus Angst vor dem eigenen Abstieg macht Koppetsch in der Mittelschicht aus, berichtet der Rezensent - sicherlich nicht grundsätzlich falsch, aber eben auch nicht völlig richtig, und vor allem nicht empirisch belegt, kritisiert Hafner: "Würde Koppetsch tiefer bohren, zerfiele die Einheitlichkeit ihres Bilds."
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