Craig Thompson

Ginsengwurzeln

Cover: Ginsengwurzeln
Reprodukt Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783956404344
Gebunden, 448 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Matthias Wieland und Heike Drescher. Craig und seine Geschwister müssen in ihrer Jugend auf der Farm der Eltern und den umliegenden Farmen der Nachbarschaft schuften. Zum einen, weil dort jede Hilfe notwendig ist, zum anderen, weil sie nur so ein kleines Taschengeld bekommen, dass dann umgehend in Comics und andere Dinge umgesetzt werden kann. Angebaut wird meist Ginseng, der als exotische Heilpflanze die meisten Gewinne verspricht. In einer Mischung aus Memoiren, Reisebericht, Sachbuch und Essay erzählt Craig Thompson autofiktional von Klassenunterschieden, persönlichen Erfahrungen und dem starken Band zwischen ungleichen Geschwistern - aber auch globale Themen wie Ackerbau, Massentierhaltung, ganzheitliche Heilung und nicht zuletzt Ginseng werden beleuchtet.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.10.2024

Der Anbau von Ginsengwurzeln hat dem Autor Craig Thompson die Leidenschaft für Comics finanziert, erfährt Kritikerin Eva-Christina Meier aus der gleichnamigen Graphic Novel: Er hat sich als Erntehelfer in Wisconsin verdingt und erzählt nun von dieser Kindheit im ländlichen Raum. Die Folgen von Pestizidbelastungen für die eigene Gesundheit sind ebenso Thema wie die aus Laos geflüchteten Hmong, die beim Ernten des amerikanischen Ginseng helfen, aber auch die weit auseinandergehenden politischen Einstellungen, die die Leute auf dem Land haben, wie wir erfahren. Chinesische Schriftzeichen schmücken den Comic, Schautafeln ergänzen die Zeichnungen in Rot und Schwarz, eine "antropomorph dargestellte Ginsengwurzel" führt durch diesen laut Meier überzeugenden, geistreichen Text. Sie kann nicht ganz nachvollziehen, warum Thompson kulturelle Aneignung vorgeworfen wird, für sie ist diese Graphic Novel eine mit stark mit dem Leben des Autors verwobene und grandios ausgestaltete Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024

Eine große amerikanische Saga ist Craig Thompson laut Rezensent Fritz Göttler mit seiner neuen autobiografischen Graphic Novel gelungen. Angelegt ist das Buch, erfahren wir, als Gegenbild einer älteren Thompson-Veröffentlichung, "Blankets", in der beschrieben wurde, wie der Autor mit seiner Herkunftsfamilie brach. Hier hingegen kehrt er, beschreibt Göttler, zurück zu seiner Familie, die im ländlichen US-Bundesstaat Wisconsin Ginseng anpflanzen, diese aus Asien importierte Pflanze, der heilende Wirkung zugeschrieben wird. Tatsächlich tauchen in dem vielschichtigen Werk, heißt es weiter, auch allerlei vielgestaltige Wurzelwesen auf, die manchmal gar an Barbiepuppen erinnern und in Verbindung stehen einerseits zur Familiengeschichte, die sich hier entfaltet, andererseits zu politischen und historischen Ereignissen rund um Themen wie die CIA und die Vietnam-Kriege. Gern betrachtet Göttler dieses Coming of Age, das von harten, dreckigen Verhältnissen erzählt, aber auch von den leuchtenden Augen der Kinder, die ihr Ginsenggeld in Superheldencomics anlegen. Auch die zunehmende Rolle der Arbeitsmigration wird thematisiert, fährt Göttler fort, außerdem lässt Thompson seinen eigenen Schaffensprozess in die Graphic Novel mit einfließen und beschreibt, wie eine Autoimmunerkrankung es ihm schwer macht, auch nur einen Stift zu halten. Das Fazit ist euphorisch: Thompson mobilisiert laut Göttler die Stärken der amerikanischen Erzähltradition und bringt uns mit seinem Buch die USA näher, in ihrer Selbstsicherheit wie auch in ihrem Fanatismus.

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