Aus dem Englischen von Irmgard Hölscher. Der israelische Psychologe Dan Bar-On gewährt Einblicke in die mentalen Befindlichkeiten im Nahen Osten. Seine sozialpsychologischen Untersuchungen zeigen, wie eng die aktuellen Auseinandersetzungen mit der Geschichte des Landes und seiner Gründergeneration verknüpft sind. Er analysiert Gespräche zwischen Juden und Arabern, aber auch zwischen Juden dreier Generationen in Israel, in denen viele Tabus thematisiert und diskutiert werden. Am Beispiel der kollektiven israelischen Identität entwickelt er ein dialogisches Modell der Identitätsfindung, das sich auf politische und persönliche Konfliktbereiche übertragen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.03.2002
Katharina Sperber ist angetan: Der 1938 in Haifa geborene israelische Psychologe und Therapeut Dan Bar-On analysiert in seinem Band die Wurzeln des Nahost-Konflikts und schlägt psychologische Lösungen für dessen Bewältigung vor. Das findet die Rezensentin keinesfalls "blauäugig", denn Bar-On habe bereits reichlich Erfahrung im Zusammenbringen konträrer Gruppen und mit der Initiierung eines sozial konstruktiven Austauschs. 1992 brachte er Opfer des Holocaust und Kinder von NS-Tätern zusammen, die mit der Methode "To reflect and trust" (TRT) lernten, die jeweils andere Seite zu reflektieren, berichtet Sperber. Im vorliegenden Band erfahre der Leser, freut sich die Rezensentin, mehr über die Konstruktion der israelischen Identität und einen Weg aus der konflikthaften Beziehung zu den Palästinensern. Seine Thesen, die Sperber durchaus für realistisch hält, untermauere der Therapeut zudem mit äußerst interessanten Interviewausschnitten, so dass auch der empirische Zugang zu seinen Überlegungen gewährleistet sei.
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