Daniela Seel

Nach Eden

Gedicht
Cover: Nach Eden
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518431894
Gebunden, 90 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Daniela Seel sucht in ihrem neuen Langgedicht eine Sprache "nach Eden". Sie lauscht den ausbleibenden Herztönen ihres ungeborenen Kindes und den Gesängen ausgerotteter Wale, betrachtet Goyas Schwarze Gemälde, liest Humboldts amerikanische Reisetagebücher und erzählt, wovon die Wissenschaft wenig weiß: Sterben. Geborenwerden. Verletzlichkeit. Mutterschaft. "Mama, warum gibt es eigentlich die Welt und die Menschen? Gab es auch einmal nichts?", fragt das Kind. "Das weiß niemand so genau", antwortet die Mutter. "Vielleicht wegen Gott." - "Aber Gott ist ja alles", sagt das Kind. "Vielleicht ist die Welt dann in Gott gewachsen." In Daniela Seels Lesart hat Eva den Garten Eden bewusst verlassen, "sie wusste, was sie tat, als sie aß". Sie "entscheidet sich. Für Erkenntnis und Lust. Für Mut." Durch ihr Handeln wird der Mensch "zum Sterben begabt" und auch "zur Nacht begabt". Daniela Seels Gedichte denken darüber nach, was das heute für uns bedeuten kann, während sie dem "Licht im Mutterleib" folgen, "dem Licht der Polarnacht verwandt …, gastlich, unbändig, unbeirrt, möchte ich sagen, vom Tod".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.12.2024

Daniela Seels Dichtung erinnert an ein Gemälde Bruegels, bei dem die Menschen versuchen, sich zurück ins Nicht-Wissen und in die Unschuld zu drängen, wie Rezensentin Insa Wilke aus der Kleist-Preisrede von Sasha Marianna Salzmann übernimmt. Motive wie der Tod eines ungeborenen Kindes oder die nationalsozialistische Euthanasie kennt Wilke schon von Seel, in diesem Band werden sie weiter reflektiert, "die Bedingungen des Sprechens" werden noch schärfer und treffender konturiert und spiegeln sich auch in der Form wider - eine "schweigende Leerseite" folgt auf die Ermordung von Kindern in der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof und ergänzt so den Inhalt. Dichtung als "komponierte Frist" macht der Kritikerin den durch und durch existenziellen Anspruch dieser Texte klar, wie sie resümiert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.11.2024

Hin und weg ist Rezensentin Claudia Kramatschek von Daniela Seels neuem Gedichtband, und das, obwohl die Verse sie auf den ersten Blick wie schnell heruntergeschriebene Prosa anmuten. Tatsächlich handelt es sich um höchstpersönliche Texte, wie in älteren Arbeiten der Dichterin geht es um Themen wie Sterblichkeit und deren Bezug zu Religion, über die Seel kraftvoll, ohne Netz und doppelten Boden schreibt, lobt die Kritikerin. Es taucht zum Beispiel ein ungeborenes Kind auf, anhand dessen die Frage nach dem Paradies verhandelt wird, auch geht es um sterbende Wale, Marsmissionen und Euthanasie in der NS-Zeit. Hier öffnen sich, auch vermittels einer sehr vom Klang her gedachten Sprache, tröstliche Räume des Sprechens und Denkens, schwärmt die Rezensentin, die empfiehlt, Seels Gedichte laut zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024

Ein "paradox schönes Langgedicht" ist dieses Buch von Daniela Seel, so Rezensentin Angelika Overath, in dem sie auf den Spuren der biblischen Eva wandelt und nachvollzieht, was es bedeuten kann, eine Frau zu sein. In 76 Kurz- und Kürzesttexten strahlt eine "poetisch radikale Glutmitte" um Themen wie Mutterschaft, der freie Wille, Hexenverfolgung und Naturzerstörung, die die menschlichen Abgründe zeigen in "einer Strenge, die Felsen selbst aufbringt", so Overath. Ein Band mit wunderbarer lyrischer Offenheit, resümiert die überzeugte Kritikerin.
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