Ins Hochdeutsche übertragen, kommentiert und herausgegeben von Ulf Diederichs. Die älteste Sammlung jiddischer Volksmärchen, Legenden und Gleichnisse wird in der vorliegenden Edition zum ersten Mal wortgetreu ins Hochdeutsche übertragen, nach der maßgeblichen Ausgabe Amsterdam 1723. "Das Ma'assebuch schöpft", so der Forscher Otto F. Best, "aus der hebräisch-aramäischen Hagada nicht weniger als aus der abendländischen Sagen- und Märchenwelt." Diesen vielfältigen Spuren sucht diese kommentierte Textausgabe nachzugehen. Ungewöhnliche Helden bevölkern diesen Planeten. König Salomo mag schon bekannt sein, als Rätselgeber und umsichtiger Schlichter, doch der Prophet Elia überragt ihn: als alter Mann, der Menschengeschicke lenkt, als Verwandlungskünstler in vielerlei Gestalt und Funktion. Berühmte Helden sind auch Rabbi Akiba, Rabbi Chanina, Rabbi Jochanan, Maimonides, Rabbi Meir, Rabbi Pinchas, Rabbi Simeon Ben Schetach.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2004
Als "Freilegung eines Grundsteins jiddischer Literatur" würdigt Rezensentin Stefana Sabin diese Ausgabe des Ma'assebuchs, die Ulf Diederichs nun vorgelegt hat. Wie sie berichtet, orientiert sich diese Ausgabe des Ma'assebuchs, einer Sammlung von insgesamt 254 jiddischen Märchen, Legenden und Geschichten, an der Amsterdamer Ausgabe von 1723. Ausführlich geht Sabin auf Geschichte und Funktion des Ma'assebuchs ein. Sie erläutert etwa, dass das Buch Episoden aus dem Talmud, die ihrerseits auf Stellen aus der Tora zurückgehen, übernimmt, dass es Midraschim, rabbinische Toraauslegungen, verarbeitet, aber auch Erzählungen aus anderen Literaturen integriert. Die Funktion des Ma'assebuchs habe darin bestanden, auch den Ungelehrten mit der jüdischen Erzähltradition und ihren Deutungsmustern vertraut zu machen. Sabin hebt hervor, dass das Ma'assebuch sowohl jüdisches Gedankengut und jüdische Lebensphilosophie als auch die jüdische Praxis der narrativen Textauslegung vermittelt. Den Kommentar von Diederichs lobt sie als sehr "informativ", während ihr die in Klammern gesetzten Worterklärungen eher "lästig" erscheinen, da sie den Lesefluss unterbrechen. Insgesamt findet sie in dieser Ausgabe einen Geschichtenschatz, "der dem allgemeinen Kanon literarischer Folklore angehört und zugleich die jüdische Religionsphilosophie als narrative Deutungstradition nachvollziehbar macht".
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