Aus dem Englischen von Barbara Steckhan, Thomas Wollermann und Bernhard Jendricke. Keine Kultur hat den Traum vom Sieg über die Krankheit so kompromisslos verfolgt wie unsere. In den letzten Jahrzehnten allerdings scheint das Glücksversprechen der Medizin brüchig geworden zu sein: Neue "Kulturkrankheiten" führen die klassische Medizin an ihre Grenzen, und immer mehr Menschen wenden sich alternativen oder esoterischen Therapien zu. Wir leiden heute an anderen Krankheiten als unsere Eltern und Großeltern; Krankheit, und die Art, in der wir sie erleben, hat sich in den letzten 50 Jahren dramatisch verändert. Morris plädiert für ein Umdenken in Medizin wie Politik, eine "biokulturelle" Sichtweise, die wissenschaftliche Erkenntnis und persönliche Erfahrung miteinander versöhnen. Seine Neuinterpretation der "Krankheitserzählungen" unserer Kultur fordert die interdisziplinäre Forschung heraus und wirft neue Schlaglichter auf unsere Krankheiten ? und unsere Kultur.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 19.10.2000
Elisabeth von Thadden behandelt in einem klugen, lesenswerten Essay zwei Bücher, die sich mit Biologie und Medizin befassen: `Über-Empfindlichkeit` von Silvia Bovenschen (Suhrkamp) und `Wie man ewig lebt` von David B. Morris (Kunstmann). Thadden fürchtet, dass in der schönen neuen Welt die menschliche Individualität unter die Räder kommen könnte. Beide Autoren dienen ihr als Kronzeugen für ein `Lob auf das Unvollkommene` und als Nebenkläger gegen eine durch und durch `medikalisierte` Welt, die inzwischen sogar das `Schulablehnungssyndrom` oder `Abneigung gegen Schwarze` diagnostizieren kann, wie Thadden verwundert feststellt.
David Morris plädiere in seinem Buch `Krankheit und Kultur` für eine Ethik der Unvollkommenheit, und zwar `ausgreifend, fordernd, material- und wortreich`. Ein schon wegen seines Materialreichtums überwältigender Einspruch gegen das Primat der Biologie, so Thadden. Dagegen hat Bovenschen in ihrem `feinsinnigen, pointierten` Buch über Idiosynkrasien der Merkwürdigkeit des europäischen Individuums ein Denkmal gesetzt, wie Thadden feierlich erklärt: `Eine Stärkung für Sterbliche.`
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2000
"Recht skeptisch" gegenüber den Versprechungen der modernen Medizin findet der Rezensent mit dem Kürzel "lx." den Autor dieses Buchs, David B. Morris. Der amerikanische Wissenschaftsjournalist untersuche die Wechselwirkung zwischen dem kulturellen Umfeld und dem Körpers und der Psyche des Menschen. Wie der Rezensent mit einigen Beispielen belegt, wirft Morris einen kritischen Blick sowohl auf das, was die moderne Medizin bisher geleistet hat als auch auf ihre Zukunftspotentiale, z.B. Gentechnik.
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