Mit ergreifenden Fallgeschichten von Menschen, die "ihr Gesicht verloren" haben, schreibt Jonathan Cole eine Geschichte des Gesichts und seiner Fähigkeit, Gefühle auszudrücken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2000
Ulrich Holbein, der hier in einer Sammelrezension Jean-Luc Hennigs "Der Hintern" und Jonathan Coles "Über das Gesicht" bespricht, zeigt sich erfreut, dass nun Bücher über derart unterschiedliche Körperteile vorliegen. In seiner eingehenden Besprechung vergleicht er Coles und Hennigs Untersuchungen, wobei Hennig eindeutig besser wegkommt. "Der Hintern" sei individuell und dazu "süffig, farbig, gewandt, elegant, ulkig" geschrieben. Zuweilen steigere sich der Autor ins "Aphorismusfähige", schwärmt Holbein. Dafür vergibt der Rezensent Hennig manche Plattitüde und attestiert ihm, dass er aus einem an sich wenig ergiebigen Gegenstand sehr viel herausgeholt hat. Cole dagegen wird sein "Sekundär-Jargon" vorgehalten, der das interessante Thema zu trocken abhandelt. Deutlich seien ihm seine "Lehrjahre mit Schul- und Hausaufsätzen" anzumerken. Mitunter streife das Buch im Ton sogar den Trivialroman, bemerkt Holbein abschätzig. Trotzdem seien auch in diesem Buch eine Fülle von erstaunlichen Fakten zu finden, was zu "jenem Rückenrieseln, ja: dem heiligen Schauder" führt, den sich der Rezensent offenbar erhofft hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Stephan Schurr ist sichtlich begeistert von Jonathan Coles Buch, das er als sehr ernst und wissenschaftlich beschreibt. Gleichzeitig sei es eine permanente Aufforderung, sich selbst im Spiegel zu betrachten, Grimassen zu schneiden und die Zuckungen des Lachmuskels zu erkunden. Sehr sorgfältig und genau stellt Schurr die Hauptthesen des Buches dar, das ganz unaufgeregt eine allseits geteilte Grundüberzeugungen ins Wanken bringt, nämlich dass Identität oder Persönlichkeit das Gesicht bestimmt. Wie Schurr schreibt, beweist Cole in seinem Buch das Gegenteil, in dem er die Erfahrungen derjenigen verwertet, die ihr Gesicht verloren haben: Blinde, Entstellte, Autisten. Natürlich, meint Schurr, bleiben jede Mengen Fragen offen, aber immerhin verdanken wir dem Neurophysiologen Cole, die "nüchterne Einsicht in die Motorik der Glückseligkeit."
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