Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.09.2015
Allen Unkenrufen zum Trotz ist David Lagercrantz' Fortsetzungsroman zu Stieg Larssons "Millenium-Trilogie" sehr gelungen, findet Rezensent Fritz Göttler. Dem Autor attestiert er einen respektvollen und diskreten Umgang mit dem Vorbild, und auch die neue Geschichte um den Starreporter Mikael Blomkvist und die punkige Hackerin Lisbeth Salander hat der Kritiker gern gelesen. Wo Larsson "emotional herausrotzte", um seinen Ekel und seine Wut gegenüber der von Faschismus, Gewalt, Perversion und Korruption geprägten schwedischen Gesellschaft Luft zu machen, erscheint dem Rezensenten Lagercrantz als erzählerischer Strukturalist, der die Schweden besser wegkommen lässt und sich viel mehr für Globales interessiert. Während Göttler Larssons rohe Wildheit und seine quälende Obsessivität vermisst, begrüßt er durchaus Lagercrantz' intellektuellen Umgang mit aktuellen Themen wie etwa Zeitungskrise, NSA oder die Bedeutung der künstlichen Intelligenz.
Tobias Gohlis hat Angst, dass die Fortsetzungen von Stieg Larssons Millenium-Trilogie mit diesem verunglückten Anlauf von David Lagercrantz noch nicht ausgestanden sind, die offenen Fäden häufen sich jedenfalls, verrät er. Vater und Bruder des verstorbenen Larsson haben das Buch bei einem Autor in Auftrag gegeben, der bisher nur mit Fußballer-Biografien aufgetreten war, berichtet der Rezensent, den es deshalb wenig wundert, dass das Ergebnis zu wünschen übrig lässt: Lisbeth Salander ist zehn Jahre älter und mittlerweile handzahm, Mikael Blomkvist ist eine Art Pressesprecher, und der Plot kreist um Lisbeths Hacker-Kampf gegen ihre böse Zwillingsschwester Camilla und die NSA, die sich, wenig überraschend, als Erzbösewicht herausstellt, fasst Gohlis zusammen. Das hat mit einem Krimi wenig und mit Larssons Wut gar nichts mehr zu tun, meint der Rezensent.
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